Die erste Ausgabe des "Wochenblatts für die katholischen Pfarrgemeinden Münchens" - so hieß die Kirchenzeitung ursprünglich - trägt das Datum vom 5. Januar 1908. Was auf acht kleinen Seiten begann, wuchs und gedieh - seit Juli 1910 unter dem Dach des "Katholischen Preßvereins für Bayern", des heutigen Sankt Michaelsbunds. Schon bald gab es erste Fotos und Anzeigen. Seit 1919 dann nannte sich das Blatt "Münchner Katholische Kirchenzeitung", seit 1935 war es das Bistumsblatt der ganzen Erzdiözese München und Freising. Prägende Gestalten der ersten Jahrzehnte waren die Prälaten Ludwig Müller und Simon Irschl, einer ihrer erfolgreichsten Werber übrigens der selige Pater Rupert Mayer.
Rühmen kann sich die Kirchenzeitung ihres Hauptschriftleiters in der Nazizeit. Der spätere Prälat Michael Höck musste seinen Mut mit vier Jahren im KZ Dachau bezahlen. Nach vielen Schikanen und Problemen mit der Papierlieferung durfte die Kirchenzeitung von 1940 bis 1945 nicht mehr erscheinen. Die Zulassungsnummer sechs der Nachrichten-Kontrolle der Militär-Regierung spricht für die Vertrauenswürdigkeit der Verantwortlichen nach dem Krieg. Da sind zuerst für kurze Zeit der bayerische Dichter Alois Johannes Lippl und der Salesianerpater Edmund Johannes Lutz. Dann aber schon bald und für gute 20 Jahre Monsignore Lorenz Freiberger, der die Zeitung durch sein journalistisches Geschick weit nach vorn bringt, ja manchmal sogar zum politischen Tagesgespräch macht.
Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil aber und seinen Folgen zieht auch in der Kirchenzeitung frischer Wind ein, immer mehr werden so genannte heiße Eisen angepackt, gesellschaftliche Themen werden wichtiger. Auch das Selbstverständnis wird stärker diskutiert. Die für guten Journalismus notwendige Unabhängigkeit einerseits und die im speziellen Kontext unverzichtbare Loyalität andererseits haben der Münchner Kirchenzeitung einen guten Ruf verschafft - bis heute. Seit 1972 kürzt sich die Zeitung MKKZ ab, ihr Layout ist kleinteiliger geworden. Verantwortung tragen für einige Jahre Georg Thurmair, der bis heute einen Namen als Dichter von Kirchenliedern hat, und für lange Zeit Hans-Georg Becker. Als weitere Namen sind zu nennen: Karl Wagner, Hannes Burger und - wenn auch nur in seinen Anfängen - der große Herbert Riehl-Heyse.
Zum 75-Jahr-Jubiläum der Kirchenzeitung im Jahr 1982 schreibt der scheidende Erzbischof Joseph Ratzinger, dass die MKKZ mit ihm nach Rom gehe, sie sei "meine wöchentliche Verbindung mit Euch". Das hat sich auch nicht geändert, seit aus Kardinal Ratzinger Papst Benedikt XVI. geworden ist. Seit 1991 heißt die MKKZ wieder Münchner Kirchenzeitung - das unschöne Kürzel war einfach nicht mehr zeitgemäß. 1997 hält erstmals Farbe Einzug, zuerst nur auf dem Titel, ab 2000 auf vier Seiten und - sozusagen als Geburtstagsgeschenk - nunmehr auf allen Seiten.
Es bleiben als Aufgaben: die Berichterstattung über das Leben der Kirche - von der Pfarrei bis zum Papst, mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Erzdiözese als Verbreitungsgebiet, die Einordnung des Geschehens in Kirche und Welt durch Kommentierung, Glaubens- und Lebenshilfe, Kultur, Soziales und Service. Das Erbe von 100 Jahren verpflichtet auch die Macher von heute, jede Woche eine gute Zeitung für die Leser von heute auf den Weg zu bringen.
Dr. Johannes Schießl


