Vorläufer des Sankt Michaelsbundes
Schon 1614 gründete der Jesuit Emeran Welser in München eine Stiftung, die an "Kauf- und Handwerksleute, Meister, Gesellen und Dienstboten" religiöse Bücher verteilte. "Das guldene Almusen des hl. Johann Baptist", so hieß die Stiftung, bestand bis zum Jahre 1783. Im 19. Jahrhundert war dann der "Katholische Bücherverein für Bayern" tätig, der ähnliche Zielsetzungen verfolgte und die Bevölkerung mit frommer Lektüre versorgte. Der von Ludwig I. durch königliches Dekret genehmigte Verein löste sich am 1.4.1912 auf.
Diese Auflösung erfolgte wahrscheinlich, weil 1901 der "Katholische Preßverein für Bayern" gegründet worden war und sich seither mit großem Erfolg weiterentwickelt hatte. Hauptzweck des Preßvereins war es, katholische Zeitungen und Zeitschriften zu fördern und in Lesezirkeln zu verbreiten sowie öffentliche Lesehallen einzurichten.
Tageszeitungen, Volksbildung, Büchereien
Ein damals weitverbreiteter Slogan des Preßvereins hieß: "Für jedes katholische Haus eine katholische Tageszeitung". Die Beteiligung an zahlreichen Zeitungsverlagen und der Ankauf von regionalen Tageszeitungen machte den Preßverein in den Augen zeitgenössischer Kritiker zu einem bewußt "politischen Verein".
1930 hielt der Preßverein finanzielle Anteile an zehn bayerischen Verlagen mit insgesamt vierundzwanzig Zeitungstiteln; im Alleineigentum gehörten ihm weitere acht Zeitungen, jeweils verbunden mit kleineren Druckereien.
Im Juli 1910 übernahm der Ortsverein München das von den Münchner Stadtpfarrern gegründete, am 5.1.1908 erstmals erschienene "Wochenblatt für die Katholischen Pfarrgemeinden Münchens". Mit Zustimmung von Kardinal Faulhaber trug dieses Wochenblatt ab der ersten Nummer des Jahres 1919 den Titel "Münchener Katholische Kirchenzeitung" und ist damit der Vorläufer des heutigen Bistumsblattes, der "Münchner Kirchenzeitung".
Ähnlich großen Erfolg wie die Zeitungspolitik hatte auch das volksbildnerische Engagement des Preßvereins. So konnte man in der Statistik des Jahres 1931 stolz auf insgesamt 2.045 Veranstaltungen verweisen, darunter 578 Lichtbildervorträge und 68 Theateraufführungen, Konzerte und Oratorien.
"Alle Einrichtungen des Preßvereins sind für die Allgemeinheit, nicht bloß für die Mitglieder da." Diesen Grundsatz hatte schon der Gründer des Preßvereins, der Eichstätter Generalvikar Dr. Georg Triller, formuliert. Entsprechend wandte sich der Verband mit seinen Aktivitäten " an die gesamte Bevölkerung, ohne Unterschied der Konfession und der Parteistellung ".
Vor dem Ersten Weltkrieg und in den 20er Jahren wurden zahlreiche Ortsvereine gegründet, die sich für die Verbreitung katholischer Literatur einsetzten und zu diesem Zweck Volksbibliotheken errichteten. Der Sankt Michaelsbund, die Nachfolgeorganisation des katholischen Preßvereins, darf sich deshalb mit Recht als "ältester bayerischer Büchereiverband" bezeichnen.
Ein paar Zahlen zeigen den damaligen Stand des katholischen Büchereiwesens: So registrierte man beispielsweise im Jahr 1930 mehr als 1.000 Büchereien in der Trägerschaft des Preßvereins mit 842.629 Bänden und 1.303.515 Ausleihen.
Die dunkle Zeit
Das Reichskulturkammergesetz vom 22.9.1933 stoppte diese Entwicklung und wirkte sich einschneidend auf die Arbeit der katholischen Volksbüchereien aus. Nun wurde von ihnen eine Buchbestandsmeldung an die zuständigen Staatlichen Büchereistellen gefordert; außerdem verloren sie ihren Öffentlichkeitscharakter und durften nur noch an Vereinsmitglieder ausleihen.
1934 mußte der Verein unter dem Druck des Regimes alle Zeitungen bis auf die "Münchener Katholische Kirchenzeitung" aus politischen Gründen abgeben. Im gleichen Jahr erfolgte auch die Umbenennung in den "Sankt Michaelsbund zur Pflege des katholischen Schrifttums in Bayern".
1935 wurde dann den Bibliotheken der Gebrauch des Titels "Volksbücherei" untersagt; statt dessen mußten sie sich "Katholische Pfarrbüchereien" nennen. Weitere Schikanen wie die staatlich verfügte Plünderung des Buchbestandes und die polizeiliche Schließung von Ausleihstellen, aber auch Einkaufserschwernisse und zusätzliche steuerliche Belastungen bedrohten akut den Fortbestand des Sankt Michaelsbundes.
Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg
In der Bombennacht vom 24. zum 25. April 1944 wurde die Münchner Zentrale des Sankt Michaelsbundes völlig zerstört. Trotzdem erschien das Bistumsblatt bereits wieder am 16. September 1945. Die bezahlte Auflage der "Münchener Katholischen Kirchenzeitung" erhöhte sich in den Folgejahren kontinuierlich bis auf 150.000 Exemplare im Jahr 1961.
Ab 1948 wurden die Nachrichten des Verbandes unter dem Titel "Der Bündler" herausgegeben; später nannten sie sich "Mitteilungsblatt für die katholischen öffentlichen Büchereien" und ab 1986 "BÜCHEREI aktuell". Seit 1949 tragen die Buchempfehlungen des Sankt Michaelsbundes den Titel "Buchprofile". Dieser Titel lebt in der ab 1974 gemeinsam vom Borromäusverein und vom Sankt Michaelsbund herausgegebenen Rezensionszeitschrift weiter.
Durch Vermittlung von Pater Rupert Mayer SJ, der ein großer Förderer des Katholischen Preßvereins und danach des Sankt Michaelsbundes war, erbte der Ortsverein München die Anwesen Herzogspitalstraße 13 und Herzog-Wilhelm-Straße 5. Auch diese Gebäude wurden bei den Luftangriffen 1944 fast völlig vernichtet und nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst in den alten Grundrissen behelfsmäßig wiederaufgebaut. Anfang der 60er Jahre entstand an der Herzog-Wilhelm-Straße 5 ein Bürogebäude für die Geschäftsleitung des Verbandes und den gesamten Büchereibereich.
Neuorientierung in den 60er und 70er Jahren
Die 60er und 70er Jahre erwiesen sich als eine Zeit der grundlegenden Neuorientierung. Damals wurden die Ortsvereine des Sankt Michaelsbundes aufgelöst und in den Landesverband Bayern e.V. übergeführt. Während der Landesverband vor allem die ideellen landesweiten Dienste übernahm, betätigte sich der neugeschaffene Diözesanverband München und Freising e.V. im engeren Bereich der Erzdiözese. Er ist Träger des Bistumsblattes, das inzwischen "Münchner Kirchenzeitung" heißt. Beide Verbände haben den gleichen geschäftsführenden Direktor. Sie sind sowohl personell wie in ihren Aufgabenstellungen eng verflochten.
Während der 60er Jahre wurde die "Münchner Büchereizentrale" als Dienstleistungsunternehmen für die angeschlossenen Mitgliedsbüchereien aufgebaut. Sie unterhält eine Spezialbuchhandlung und leistet neben dem Buchverkauf den wichtigen Service der Buchberatung sowie der Buchbearbeitung.
Ebenfalls in den 60er Jahren überschritten die katholischen öffentlichen Büchereien ganz bewußt die bisher gezogenen konfessionellen Grenzen. Zunächst wurden in Bamberg, danach in Erding und in Rosenheim Vereinbarungen mit den Kommunen über die allgemeine Literaturversorgung geschlossen. Diese Kooperationsverträge sind mittlerweile zu einem Kennzeichen der bayerischen Büchereilandschaft geworden - über 600 Gemeinde- und Stadtbüchereien im Freistaat arbeiten in gemeinsamer Trägerschaft von Kommune und Pfarrei und unter der fachlichen Betreuung durch den Sankt Michaelsbund. Die Öffnung zu den Kommunen hat den Sankt Michaelsbund verändert und seine büchereipolitische Position gestärkt.
Im Jahr 1973 erhielt der Sankt Michaelsbund Landesverband Bayern e.V. mit seiner neuen Satzung "die Bestätigung der bayerischen Bischöfe als institutionelle Zusammenfassung und Vertretung der Bildungsarbeit in katholischer Trägerschaft auf dem Gebiet des Büchereiwesens und der damit zusammenhängenden Medien". Ebenfalls noch in den 70er Jahren wurde die Landesfachstelle des Sankt Michaelsbundes gegründet, die seither das katholische Büchereiwesen in Bayern nach außen vertritt und gemeinsam mit den Diözesanstellen die Mitgliedseinrichtungen bei allen bibliothekarischen Fachfragen berät. Ferner unterhält die Landesfachstelle ein eigenes Lektorat, das für die Verbandsveröffentlichungen verantwortlich zeichnet.
Erfreulich hat sich die Zusammenarbeit zwischen dem Sankt Michaelsbund in München und dem Borromäusverein in Bonn weiterentwickelt. Ungeachtet ihres unterschiedlichen Selbstverständnisses sprechen sich beide Verbände vor bibliothekarischen Grundsatzentscheidungen ab. Gemeinschaftlich haben sie auch den Ausbildungsgang zum "Kirchlichen Büchereiassistenten" entwickelt, außerdem die Unterrichtseinheiten der sogenannten "Basis-12-Kurse" als Einführung für Ehrenamtliche.
Vom Bücherhaus zum Medienhaus
Die 80er und 90er Jahre brachten zahlreiche zusätzliche Aktivitäten für den Sankt Michaelsbund - viele davon knüpften an die ursprünglichen Zielsetzungen des katholischen Preßvereins an. Aus dem kirchlichen Bücherhaus wurde allmählich ein Medienhaus: 1988 erfolgte die Gründung der Münchner Katholischen Radioredaktion (MKR), die im Auftrag der bayerischen Diözesen und der Erzdiözese München und Freising Privatsender mit Beiträgen aus der Kirche beliefert. Zu den Stationen, mit denen der Sankt Michaelsbund einen medienrechtlich anerkannten Zuliefervertrag hat, gehört auch das einzige landesweite Privatradio ANTENNE BAYERN. Die Münchner Katholische Radioredaktion und ihre Nebenstelle, die Katholische Radioredaktion Rosenheim, verfügen inzwischen über vollausgebaute digitale Produktionsstudios.
Sankt Michaelsbund Online ist als weitere Einrichtung des Verbandes noch im Aufbau begriffen und betreut gemeinsam mit dem Presse- und Öffentlichkeitsreferat der Erzdiözese München und Freising die Präsentation des Erzbistums im Internet. Die Online-Redaktion entwickelt darüber hinaus spezielle kirchliche Angebote und tritt als kirchlicher Dienstleister auf, der mittlerweile für zahlreiche Kunden Internet-Auftritte entwickelt hat.
Sowohl der Diözesanverband wie der Landesverband des Sankt Michaelsbundes halten eine Reihe von Beteiligungen in den Medien. Neben den neuen Medien galt und gilt die Aufmerksamkeit des Verbandes nach wie vor dem traditionellen Buchmedium. Deshalb wurde im Verbandsgebäude unter dem Namen "lesetraum.de" eine inzwischen sehr erfolgreiche Kinderbuchhandlung installiert. Auch der Buchversand, der Einzelkunden beliefert, trägt die Etikette "lesetraum.de" und bringt regelmäßig Prospekte heraus, deren Schwerpunkt auf qualitativ ansprechender Literatur für die ganze Familie liegt und die vom Kinderbuch bis zur theologischen Literatur ein umfassendes Angebot bereithalten. Für ein kleines, aber literarisch und theologisch interessantes Programm zeichnet der Verlag des Sankt Michaelsbundes verantwortlich, in dem namhafte Autoren publizieren.