Requiem für Dr. Erich Jooß (13.03.1946-28.10.2017)

München, St. Michael, 9. November 2017

Der Sankt Michaelsbund trauert um seinen langjährigen ehemaligen Direktor Dr. Erich Jooß. In Gedanken und im Gebet sind wir mit Ihnen, verehrte Frau Jooß, und der ganzen Familie des Verstorbenen eng verbunden. Wir wünschen Ihnen von Herzen Kraft und Gottes Geleit, besonders am heutigen Tag und in den kommenden Wochen, in denen die Erinnerung an den Ehemann, Vater und Freund immer wieder mächtig sein wird.

Dr. Jooß hat unser katholisches Medienhaus in seinen 27 Jahren als Direktor von 1984 bis 2011 maßgeblich geprägt. Insgesamt war er 35 Jahre für den Sankt Michaelsbund tätig. Es war eine vielfältige und diffizile Arbeit, die auch einen echten Medienprofi wie ihn stets neu forderte. Und es waren Aufgaben, die ihn gerade deshalb erfüllten und denen er sich unermüdlich verschrieben hat: bis an die Grenzen seiner körperlichen Leistungsfähigkeit - und darüber hinaus.

Lassen Sie mich beispielhaft drei Meilensteine seines Engagements beim Sankt Michaelsbund nennen:

1.     In der Büchereiarbeit hat Dr. Jooß die Zusammenarbeit der Kommunen mit den Pfarrkirchenstiftungen als gemeinsame Träger der Bücherei vor Ort konsequent verfolgt. Das Ergebnis ist bemerkenswert: Von den über 1.000 katholischen öffentlichen Büchereien in Bayern, die Mitglied des Sankt Michaelsbundes sind, sind über 600 die gemeinsame Trägerschaft eingegangen. Ein echtes Erfolgsmodell für die Bildung der bayerischen Bürger vor Ort, gerade im ländlichen Raum. Dies wäre ohne Dr. Jooß so nicht möglich gewesen.

2.     Als in Bayern im Jahr 1988 der private Rundfunk das Licht der Welt erblickte, sorgte Dr. Jooß dafür, dass Radio und Fernsehen im Sankt Michaelsbund von Anfang an eine wichtige Rolle spielten. Unsere Radio- und Fernsehredaktionen wurden geboren. Beide entwickelten sich rasch zu einem geschätzten und verlässlichen Partner im bayerischen Privatradio und Privatfernsehen, sei es bei Antenne Bayern, bei Radio Arabella oder bei München TV, um nur einige unserer Partnersender zu nennen. Es war eine weitsichtige Entscheidung von Dr. Jooß, sich den neuen Medien zu öffnen. Sie hat den Sankt Michaelsbund zukunftsfähig gemacht.

3.     Sei es als Autor von Kinderbüchern oder als Lyriker: auch für ein umfangreiches literarisches Schaffen, das allerorten hohe Anerkennung genoss und genießt, fand Dr. Jooß irgendwie immer wieder Zeit, bis zuletzt. Wir sind sehr dankbar für seine religiösen Kinderbücher und für das Privileg, das Lieder- und Gebetsbuch „Gotteslob“ in unserem Verlag publizieren zu können.

Auch jenseits der Grenzen der sieben Bistümer Bayerns hat sich Dr. Jooß in der Welt der Medien engagiert, u. a. als langjähriger Vorsitzender des Medienrates der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien, im Vorstand des Katholischen Medienverbandes, bei den Münchner Turmschreibern, bei der Akademie für Kinder- und Jugendliteratur und als geschätzter Berater der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz.

Dr. Jooß wird uns fehlen: mit seinen Impulsen und Ideen, mit seinen Verbindungen und als Brückenbauer, und schließlich mit seinem Rat, den wir auch nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst immer wieder eingeholt und geschätzt haben. Wir werden Dr. Jooß beim Sankt Michaelsbund stets ein ehrendes Andenken bewahren und sind ihm von Herzen dankbar für alles, was er für unseren Medienverband getan hat.

Persönlich verspreche ich Ihnen mein Fürbittgebet und das Gedenken in der Feier der hl. Messe! - Gerne denke ich an ein längeres Gespräch in den 90-er Jahren zurück, also ich noch Krankenhauspfarrer in Altötting war und es sich Dr. Jooß nicht nehmen ließ, persönlich an der Einweihung der Krankenhausbücherei teilzunehmen und ein Grußwort zu sprechen. Er war ein aufmerksamer Zuhörer und sehr daran interessiert, wie kranke Menschen Bücher aufnehmen und was ihnen die Literatur an Abwechslung, aber auch an Trost und Orientierung schenkt. Hier leuchtete mir der „Mensch Dr. Jooß“ eindrucksvoll auf.

Das werden auch so manche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Michaelsbundes bestätigen können: Als Chef war er immer da, auch wenn einer ein familiäres Problem oder große Sorgen hatte. Das ging so weit, dass er diesen Menschen die Zeit für sich und ihre Leiden aufs Großzügigste einräumte, in einem Maß, wie es auch bei einem kirchlichen Arbeitgeber selten zu finden ist.

„Vergelt’s Gott!“ – Erich Jooß! Wir werden im Sankt Michaelsbund beherzigen, was er bei seiner Verabschiedung seiner Kirche mitgab: Katholisch sein bedeute „umfassend, geistig weit und einladend zu sein“, ohne dabei die eigene Herkunft zu vergessen (Treffpunkt Bücherei 1/2012). Der Herr nehme Dich auf in die Freude des ewigen Lebens!

 

(Domkapitular Gerhard Auer, 1. Vorsitzender des Sankt Michaelsbundes)

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