Hamburger Erklärung

Jedes Kind muss Lesen lernen

Aufgeschreckt von dem für Deutschland mehr als beschämenden Ergebnis bei der internationalen IGLU-Vergleichsstudie zur Lesefähigkeit bei Kindern haben auf Initiative der bekannten Kinderbuchautorin Kirsten Boie hin 27 prominente HamburgerInnen, darunter auch Ulla Hahn, Kent Nagano oder Ulrich Wickert, im Internet die Forderung „Jedes Kind muss Lesen lernen“ gestellt. Unter www.change.org/p/jedes-kind-muss-lesen-lernen können, ja müssen eigentlich alle, denen die Lesefähigkeit und der Lesespaß von Kindern am Herzen liegt, ihre „Unterschrift“ unter diese Petition setzen, die am 20. September 2018, dem Weltkindertag, an die Bundesbildungsministerin, die zuständigen Minister der Länder und die Kultusministerkonferenz übergeben werden.

Die Kernsätze der Erklärung lauten: „Knapp ein Fünftel der Zehnjährigen in Deutschland kann nicht so lesen, dass der Text dabei auch verstanden wird… Zudem ist Deutschland das Land, bei dem das Ergebnis am stärksten von der sozialen Herkunft abhängt…Lesen ist noch immer DIE Schlüsselqualifikation für die Teilhabe an der Gesellschaft. Die betroffenen 18,9 % der Kinder werden einmal unsere Erwachsenen sein. Neben den Folgen, die eine fehlende Lesefähigkeit für jeden Einzelnen von ihnen haben wird, sind auch die Folgen für die Gesellschaft insgesamt erschreckend. Ohne die Möglichkeit, einen qualifizierten Beruf zu erlernen, werden die meisten dieser Menschen vermutlich jahrzehntelang auf staatliche Unterstützung angewiesen sein. Umso wichtiger, dass JETZT in die Bildungspolitik investiert wird… Das Lesenlernen und Lesen muss sehr viel stärker in den Fokus der Bildungspolitik rücken… Für all diese Zwecke müssen jetzt genügend Mittel in den Haushalten ausgewiesen werden. Das Lesen darf nicht den derzeitigen (kosten)intensiven Bemühungen um die Digitalisierung der Schulen zum Opfer fallen.“

Kirsten Boie, die 2015 Gast des Sankt Michaelsbundes bei den Jahrestagungen auf Schloss Hirschberg war, hat in einem Interview für „Treffpunkt Bücherei“ (Download des Heftes 1.2016, S.32-34) über den Zusammenhang von Büchereien und Lesen einige ebenso bemerkenswerte wie leicht nachvollziehbare Sätze gesagt:

„Wo sonst sollen denn Bücher und ihre Leser im Mittelpunkt stehen, wenn nicht in Büchereien? Ich liebe Büchereien weniger als Autorin, sondern vielmehr als leidenschaftliche Leserin, die weiß, wie viel Lesen in ihren verschiedenen Lebensphasen bewirkt hat. Die Vorstellung, dass ich buchlos hätte leben müssen, ist einfach grauenvoll. Schon alleine deswegen müssen wir möglichst vielen Kindern – bei Erwachsenen ist das schon deutlich schwieriger – Wege zum Lesen ebnen. Und dafür sind Büchereien einfach der beste Ort.“

Oft sind die ehrenamtlich arbeitenden Frauen ja selbst begeisterte Leserinnen und haben dadurch einen sehr persönlichen eigenen Zugang zu Büchern –und das ist zunächst mal mit das allerwichtigste Kriterium! Ich hatte selbst gerade erst ein Gespräch mit einer ehrenamtlichen Leiterin einer Bücherei, die zu mir sagte, dass es für die Mitarbeiterinnen das wichtigste sei, die Leserinnen und Leser zu kennen und zu wissen, was sich ihre Leser wünschen. Ehrenamtliche Büchereiarbeit hat auch viel mit Haltung zu tun!“

Allen, denen Kinder am Herzen liegen, sei die Petition noch einmal ans Herz gelegt!

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