Juni 2018: "Halleluja - Wie ich versuchte, die katholische Kirche zu verstehen" von Valerie Schönian

Anfangs bekam Valerie Schönian „Tabernakel-Monstranz-Kopfschmerzen“, als sie in die Lebensrealität von Franziskus von Boeselager, Priester in Münster, eintauchte. So viel Neues, Fremdes strömte auf sie ein. Valerie (Etiketten: feministisch, links, kirchenfern) begleitete Franziskus (konservativ, aufgeschlossen) ein Jahr lang durch seinen Alltag: Taufen, Messen, Beerdigungen, Krankenkommunionen, Jugendgruppe, Weltjugendtag ... Über ihre Erlebnisse und ihre Diskussionen über Gott und die Welt, Glauben, Kirche, Frauen, Homosexuelle u.v.m. schrieb sie bereits im Blog „Valerie und der Priester“. Mehrere 100.000 Leser/innen im Monat verfolgten gespannt das Projekt des Zentrums für Berufungspastoral der Deutschen Bischofskonferenz im Internet, kommentierten, stellten Fragen. Würde Valerie den Priester Franziskus verstehen können?

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Und: Würde sie am Ende – der Gipfel der Hoffnung – bekehrt werden?

Valerie ist es gelungen, diese Spannung auch im Buch zu erzeugen, vielleicht sogar, sie zu verstärken. Sie hat die Texte des Blogs überarbeitet und chronologisch angeordnet. Und sie hat ihre eigene Auseinandersetzung mit dem Glauben viel stärker eingebracht. Damit ergeben sich auch für diejenigen, die den Blog bereits im Netz verfolgt haben, neue Einsichten.

Auf diese Weise wird deutlicher sichtbar, welche Entwicklung Valerie und Franziskus genommen haben, wie viel Unverständnis am Anfang da war, dass es einen Punkt gab, an dem sich alle Diskussionen nur noch im Kreis drehten und Valerie innerlich schon aufgegeben hatte. Eine Bemerkung von Franziskus änderte die Situation. Valerie entschied sich daraufhin, verstehen zu wollen. Von diesem Punkt an hörte sie ihm anders zu. „Meine Fragen waren keine Argumente mehr, sondern Versuche. Es ging nicht mehr um meine Perspektive, sondern um seine. Darum, die Welt durch Franziskus‘ Augen zu sehen. Die Welt so zu sehen, wie sie ist, wenn es Gott gibt.“

Die Passagen, in denen Valerie über glauben und nicht-glauben-können reflektiert, sind mit die stärksten im Buch. Wobei, da gibt es noch viele mehr: der „heilige Rausch“ beim Weltjugendtag in Polen, zum Beispiel. Ihr Weihnachtserlebnis ...

Abgesehen davon, dass sie sehr elegant mit Worten umzugehen und eine Geschichte packend zu erzählen weiß, führt die Lektüre von „Halleluja“ unweigerlich dazu, sich selbst zu fragen:

Was glaube ich eigentlich?

Das Buch erzählt außerdem viel darüber, warum sich die katholische Kirche so schwer damit tut, Menschen zu erreichen, die nicht zu ihrem Stammpublikum gehören. Zu fremd sind inzwischen Sprache und Riten geworden. Die bittere Erkenntnis: Die Welt außerhalb des katholischen Kokons wartet schon lange nicht mehr darauf, dass die Katholiken sich für sie interessieren. In den Worten von Franziskus: „Deine Welt haben wir zu wenig auf dem Schirm. Wir denken, Glaube und Gott würden alle interessieren. Mit so einer Einstellung drohen wir uns von der Realität zu entfernen. Wir müssen aber an ihr andocken.“ Selbstbezüglichkeit nannte das ein gewisser Kardinal Bergoglio vor dem Konklave 2013.

Valerie Schönian und Franziskus von Boeselager (und mit ihnen die Initiatoren) haben mit dem Projekt gezeigt, dass es möglich ist, die Selbstbezüglichkeit zu überwinden. Und dass man dabei gewinnt. Bei der Lektüre dieses Buches auch. (Borromäusverein)

Valerie Schönian: Halleluja - Wie ich versuchte, die katholische Kirche zu verstehen

 

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PIPER, 2018

Kartoniert/Broschiert, Großformatiges Paperback. Klappenbroschur

368 S.

Abmessung: 135 mm x 205 mm x 30 mm

Sprache: Deutsch

ArtikelNr.: 90-331754
ISBN/EAN: 9783492060998

 

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Mai 2018: "Der christliche Glaube erklärt in 50 Briefen." von Gerhard Lohfink

Die Familie Westerkamp ist ein bisschen hilflos: Die neunjährige Tochter Hannah möchte wie viele ihrer Freundinnen gerne zur Erstkommunion gehen. Doch Herr Westerkamp ist nicht getauft, und vieles, was er über den christlichen Glauben gehört hat, findet er sehr befremdlich, manches lehnt er sogar ganz entschieden ab. Seine Frau ist zwar getauft und religiös erzogen worden, hat sich inzwischen allerdings weit von der Kirche und im Grunde auch von einem persönlichen Glauben entfernt. Jetzt aber ist für die Eltern eine gewisse Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben unumgänglich geworden, denn sie wollen den Wunsch ihrer Tochter doch ernst nehmen und wenigstens verstehen. Sie bitten deshalb einen Bekannten um Rat, den katholischen Theologen Gerhard Lohfink, der nun in einer Reihe von Briefen zu erklären versucht, was es denn mit dem christlichen Glauben eigentlich auf sich hat.

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Statt Vorurteilen - Glaube im Alltag

Dabei geht es gar nicht in erster Linie um Wissensvermittlung. Zwar muss der Theologe manchmal etwas rein sachlich erklären, alleine schon um gewisse Vorurteile und Missverständnisse abzubauen. Doch vor allem versucht er zu zeigen, was es denn im konkreten Leben heißt, an Jesus Christus zu glauben. Dabei kommen natürlich zunächst auch einige sehr grundsätzliche Fragen ins Spiel, etwa, was mit Gottes Schöpfung gemeint ist, wenn doch eine wissenschaftliche Evolutionstheorie alles ganz anders erklärt, oder wie man überhaupt an einen guten Gott glauben kann angesichts von so viel Leid in der Welt. Dann geht es aber hauptsächlich um Jesus Christus, sein Verhältnis zu Gott und den Menschen, zu seinem Volk Israel und zur ganzen Welt. Was hat Jesus die Menschen gelehrt, warum musste er sterben – war dieser Tod wirklich ein „Opfertod“ und wer wollte dann dieses Opfer? Und wenn Jesus wirklich von den Toten auferstanden ist, in welcher Weise ist er dann jetzt lebendig und für die Menschen gegenwärtig? Vor diesem Hintergrund lassen sich die Kirche und die Sakramente erschließen, ein christliches Leben aus den Sakramenten, aus der Heiligen Schrift, aus den Geboten und aus dem Gebet. Und schließlich die Vollendung des Lebens im Jüngsten Gericht, das man gar nicht fürchten muss, sondern ersehnen darf. Im Lauf der Briefe versteht Frau Westerkamp ihre Tochter immer besser in deren Wunsch nach dem christlichen Glauben und entdeckt diesen für sich selbst wieder ganz neu. Und auch Herr Westerkamp kann vieles besser verstehen, selbst wenn er sich noch nicht bereit fühlt zu dem Schritt, sich ebenfalls taufen zu lassen.

Fiktiv und doch konkret

Die Familie Westerkamp gibt es nicht wirklich. Gerhard Lohfink hat diese Briefe an eine fiktive Familie geschrieben. Denn diese Gesprächspartner geben ihm die Gelegenheit, seine Erklärungen des christlichen Glaubens wirklich an konkreten Fragen des Lebensalltags anzuknüpfen. Und sich dabei in viele Menschen hineinzuversetzen, die sich in einer sehr ähnlichen Situation befinden dürften. Wer den christlichen Glauben kaum kennt oder ihm sehr zweifelnd gegenübersteht, dem kann man in der Form einer systematischen Abhandlung oder gar eines Katechismus höchstens Sachwissen vermitteln, aber nicht, was es bedeutet, wirklich aus diesem Glauben heraus zu leben, das gelingt viel besser in der Dialogform der Briefe, die auch auf Einwände oder Nachfragen antworten können.

So kann das Buch eigentlich einen dreifachen Zweck erfüllen: es kann für alle, die noch kaum etwas über den christlichen Glauben wissen, eine hervorragende Einführung sein; es kann denen, die nach ihrem Glauben gefragt werden, aber nicht genau wissen, was sie antworten sollen, eine wertvolle Argumentationshilfe sein; und es kann all denen, die sich selbst in ihrem Glauben immer wieder mit bestimmten Fragen und Zweifeln beschäftigen, neue Perspektiven aufzeigen. Und obendrein kann es auch noch ein guter Anlass für weitergehende Gespräche über den Glauben sein.  

(Sankt Michaelsbund)

: Der christliche Glaube erklärt in 50 Briefen

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HERDER, FREIBURG
Gebunden
272 S.
Abmessung: 144 mm x 221 mm x 22 mm
Sprache: Deutsch

ArtikelNr.: 90-330304
ISBN/EAN: 9783451347955

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April 2018: "Die Frau, die nicht an Gott glaubte und Jesus traf" von Charlotte Rørth

Ich bin Jesus begegnet.“ Wenn Ihnen das jemand sagen würde, wie würden Sie reagieren? Mit Kopfschütteln? Mit Skepsis? Die dänische Journalistin Charlotte Rørth berichtet, dass sie Jesus in zwei Visionen begegnet ist. Die Ereignisse überforderten sie zunächst völlig, weil sie so gar nicht in ihr Weltbild passten.

In ihrem Buch erzählt sie von ihrer Auseinandersetzung mit den Visionen und wie sie im Laufe der Jahre eine Haltung zu diesem Geschehen entwickelte, die Glauben und Wissen nicht mehr gegeneinander ausspielt. Als Journalistin von Berufswegen skeptisch und kirchlich nur locker gebunden, findet sie die Visionen zunächst „unglaublich“. Ihr Leben gründe sich auf Fakten, schreibt sie. „Bei uns gründet sich alles darauf, dass man Fragen stellt, nach Beweisen sucht, Antworten bekommt, mit der Zeit dazu lernt. Aber auf einmal weiß ich etwas, was ich vor einer halben Stunde noch nicht wusste und was ich nicht beweisen kann.“

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Von der Überforderung zur Suche

Sie weiß, dass Jesus lebt, sie ist ihm in einer kleinen Kapelle im spanischen Úbeda begegnet, Raum und Zeit waren aufgehoben und sie befand sich gleichzeitig in Israel, wo er des Weges kam, sie anschaute und sagte: „Willkommen, schön dich zu sehen.“ Nichts weiter. So beschreibt sie es.

Es bleibt nicht bei Visionen. Sie berichtet, dass sie von einem „gewaltigen gelben Lichtstrahl vom Himmel“ getroffen wird, ein anderes Mal kommen gelbe Strahlen aus ihren Fingern, die ihr Sohn wie Stromschläge spüren kann; sie sieht Auren. Ist sie übergeschnappt?

Das kann nicht sein? Oder doch?

Skepsis macht sich bei der Lektüre breit, der Kopf sagt, das kann doch nicht sein! Da die Autorin selbst mit diesen Zweifeln ringt, werden wohl die wenigsten Leser/innen das Buch entnervt zur Seite legen, sondern mit Neugierde weiterlesen. Wie sie tastend, suchend, nachdenkend um Haltung zu diesem Geschehen ringt, ist berührend.

Auf der Suche nach einer Erklärung, nach innerem Halt, konsultiert sie Experten: Psychologen, Neurologen, Theologen, liest alles, was sie zu Spiritualität und Visionen in die Finger bekommen kann. Allmählich gelangt sie zu der Einsicht, dass es Dinge gibt zwischen Himmel und Erde, die sich mit unserem logisch- naturwissenschaftlichen Denken allein nicht begreifen lassen.

Sie versteht, dass sie ein Geschenk bekommen hat, das sie nicht für sich behalten darf – und das auch gar nicht kann. Die Gewissheit, dass Jesus lebt und dass er in jedem Menschen ist, muss sie weitergeben.

Darüber hinaus macht Rørths Auseinandersetzung mit ihren Visionen deutlich, dass Glaube den ganzen Menschen betrifft und nicht nur Kopfsache ist. Rationalität ist notwendig, um nicht in Schwärmerei oder Fundamentalismus abzugleiten, aber um glauben zu können, muss man auch die „4. Dimension“ einbeziehen, wie Thomas Keating meint, die geistliche, gefühlsmäßige Erfahrung.

Die Lektüre dieses Glaubenszeugnisses wird niemanden unberührt lassen und ist eine Einladung, sich selbst auf die Suche nach der 4. Dimension zu machen und zu entdecken: Gott ist in mir. (Borromäusverein)

: Die Frau, die nicht an Gott glaubte und Jesus traf

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Übersetzung: Kretschmer, Bernd
GÜTERSLOHER VERLAGSHAUS, 2018
Gebunden
224 S.
Abmessung: 142 mm x 222 mm x 21 mm
Sprache: Deutsch

ArtikelNr.: 90-330313
ISBN/EAN: 9783579085463

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März 2018: "Zu Hause kannst du Gott begegnen" - von Gerhard Dane

Wo lässt Gott sich finden? In der Kirche, zumal beim Gottesdienst – das würden wohl die meisten sagen. In der Erhabenheit auf einem Berggipfel oder in der Stille des Waldes – auch da würden sicher viele zustimmen. Aber bei mir zu Hause? Ja, auch „zu Hause kannst du Gott begegnen“, sagt Gerhard Dane, der jahrzehntelang im Erzbistum Köln als Pfarrer wirkte und auch jetzt im Ruhestand noch in der Seelsorge mithilft. Gott sei Dank kann man Gott überall begegnen, eben auch zu Hause, denn viele Menschen gehen heute nicht mehr oder kaum noch in die Kirche, und auch Naturerlebnisse sind für den modernen Stadtmenschen in der Regel eher seltene Ausnahmen geworden.

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Rundgang durchs eigene Haus
Darum lädt der Autor seine Leser/innen ein zu einem Rundgang durch das eigene Haus, um einmal genau hinzuschauen, wo man auch da Gott finden kann. Im Gegensatz zur Natur, hinter der immerhin manche einen Schöpfer vermuten, haben wir im Haus zwar zunächst den Eindruck, dass das alles doch von uns Menschen selbst gemacht worden ist – und wo sollte in einer ganz von uns selbst hergestellten Welt noch Platz für Gott, für etwas Wunderbares oder Geheimnisvolles sein? Aber wir Christen glauben ja, dass Gott selbst Mensch geworden ist – und der Zimmermann Jesus von Nazaret verwendet nicht von ungefähr in seinen Gleichnissen auch immer wieder Bilder, die auf den Hausbau Bezug nehmen. Also muss es bei näherem Hinschauen doch auch im eigenen Haus Spuren geben, die auf Gott hindeuten, der mit uns Menschen in Beziehung treten will.
In 20 kurzen Kapiteln führt der Autor seine Leser/innen durch ein Haus, vom Keller bis zum Dachboden, dabei erzählt er Geschichten, die er selbst erlebt hat, schildert die Gedanken, die ihm bei manchen Gegenständen durch den Kopf gehen, weist hin auf Erfahrungen, die dem Menschen gewisse Einsichten vermitteln können. Und tatsächlich lässt sich in jedem Haus vieles finden, was als ganz einfaches, plastisches und einprägsames Bild etwas über die Beziehung zwischen Gott und den Menschen aussagen kann – wie etwa die Satellitenschüssel, die zeigt, dass man zunächst einmal „auf Empfang gehen“ muss, um die Signale Gottes, die überall da sind, auch wahrzunehmen. Jede Türe kann uns daran erinnern, dass Christus auch an unsere Türe klopft, und eingelassen werden möchte, aber auch daran, dass er selbst die Türe zu einem Leben nach dem Tode für uns sein will. Selbst noch der Abfalleimer kann uns etwas ganz Wichtiges veranschaulichen: Wie sehr wir immer wieder eine Müllentsorgung auch unserer Seele benötigen, um danach wieder ent-sorgt neu anfangen zu können – wobei die „Müllverbrennung“ des Seelenmülls in der Beichte nicht nur Müll vernichtet, sondern zugleich auch noch neue Energie für unser Leben erzeugt.

Haltung der Achtsamkeit
Eingeschobene kurze Bibelzitate veranschaulichen immer wieder, dass und wie das Gesagte tatsächlich mit Gott zu tun hat, und zeigen, dass sich in der Bibel oft sehr konkrete und absolut alltagstaugliche Beispiele und Ratschläge finden lassen. Am Schluss vieler Kapitel steht dann ein vom vorher Gesagten inspiriertes kurzes Gebet, das zugleich als Beispiel dienen kann, wie man selber im Alltag mit ganz einfachen, lebensnahen Worten beten kann. Insgesamt vermittelt das Buch auf wirklich nachvollziehbare Weise eine Haltung des Staunens, der Demut und der Dankbarkeit – und einer größeren Achtsamkeit auf die scheinbar unwichtigen Kleinigkeiten des alltäglichen Lebens. Es ist ein Buch, das gerade in seiner Einfachheit und Bescheidenheit überzeugt und auch beeindruckt – und sicherlich bei ganz vielen Leserinnen und Lesern etwas zu bewirken vermag.   

(Sankt Michaelsbund)

 

Zu Hause kannst du Gott begegnen

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Februar 2018: "Bonhoeffer" von Alois Prinz

Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag ...“. Diese Zeile stammt aus Dietrich Bonhoeffers wohl bekanntestem Text, den er 1944 kurz vor Weihnachten im Gefängnis schrieb. Das Gedicht zeugt von tiefem Gottvertrauen angesichts eines drohenden Todesurteils – und von dem Funken Hoffnung, dass das Kriegsende diesem Urteil zuvorkommen könnte. Es kam anders und das Gedicht wurde Teil von Bonhoeffers Vermächtnis.

Lebenlauf und Lebensthema

In diesen Jahren zeichnete sich sein Lebensthema ab. Wie gehören die Wirklichkeit Gottes und die Wirklichkeit der Welt zusammen? Das war für Bonhoeffer alsbald keine akademische Frage mehr, sondern – beflügelt durch seine Erfahrung als Vikar und Studentenseelsorger – eine ganz praktische Frage. Wie handelt man als Christ richtig?

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Alois Prinz beschreibt sehr eindrucksvoll, wie Bonhoeffer allmählich in diese Haltung hineinwuchs. Aus einer protestantischen, gutbürgerlichen Familie stammend begann er sein Theologiestudium mit großem Ehrgeiz und hatte bereits 1927, nach nur vier Jahren, seinen Doktor und 1930 die Qualifikation für eine Professur in der Tasche und hielt seine Antrittsvorlesung – gerade mal 24 Jahre alt!

Anfang der vierziger Jahre arbeitete er an einem Buch zu dieser Frage, „das wichtigste Buch seines Lebens“, wie Alois Prinz schreibt, doch es wurde nie fertig.

Die politische Entwicklung im Deutschen Reich und innerhalb der evangelischen Kirche, die von den Nationalsozialisten in kurzer Zeit „gleichgeschaltet“ wurde, brachte Bonhoeffer zur „Bekennenden Kirche“, für die er zu einer zentralen Figur wurde, und in Kontakt mit dem Widerstand. Diese Verbindung zusammen mit einigen kritischen Äußerungen führten 1943 zur Festnahme durch die Gestapo. Kurz vor Kriegsende 1945 wurde Dietrich Bonhoeffer erhängt.

Bonhoeffers "Sein für andere"

Doch Bonhoeffers Bedeutung besteht nicht allein darin, dass er aus christlicher Überzeugung Widerstand gegen Hitler geleistet hat. Alois Prinz arbeitet an vielen Stellen der Biografie heraus, dass Bonhoeffers theologische Ideen heute noch große Wirkung entfalten können. Er war auf der Suche nach einem Gott, der mit allen Dimensionen des menschlichen Lebens verwoben ist, ein Gott „mitten im Leben“. Diesen Gott fand Bonhoeffer in der Spur Jesu im „Sein für andere“. Dieses „Sein für andere“ ist eine Absage an jede Form von Weltflucht und alle Versuche, das Christliche auf bestimmte, unpolitische Lebensbereiche zu beschränken. Man müsse wie Jesus selbst leben, „als gäbe es keinen Gott“. An diesem Paradox, das Bonhoeffer in seinen Briefen aus dem Gefängnis formulierte, hat man gewiss lange zu kauen, aber es lohnt sich, wie sich überhaupt eine Beschäftigung mit Dietrich Bonhoeffer lohnt, um herauszufinden, wie man heute als Christ leben kann.

Das Faszinierende an Alois Prinz‘ hervorragender Biografie ist die Leichtigkeit, mit der er das Leben und die Ideen Dietrich Bonhoeffers schildert. Die Leser/innen begegnen einem Menschen, der seinen eigenen Weg gesucht und gefunden hat – und andere Menschen dazu inspirieren kann. Gerade deshalb eignet sich Prinz‘ Biografie nicht nur für Erwachsene, sondern ausdrücklich auch für Jugendliche ab etwa 15 Jahren.

(Borromäusverein)

 

Bonhoeffer

Wege zur Freiheit

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Januar 2018: "Offen für ein großes Geheimnis" von Abt Odilo Lechner

Am 3. November 2017 starb Odilo Lechner, der als Abt fast 40 Jahre lang das Münchner Benediktinerkloster St. Bonifaz leitete. Zu seinem Requiem war die Münchner Frauenkirche überfüllt wie sonst nur zur Christmette. Menschen jeden Alters und jeglichen gesellschaftlichen Standes waren zur Seelenmesse gekommen. Was hatte diesen bescheidenen und freundlichen Mönch so bekannt und beliebt gemacht? „Mit weitem Herzen“ hatte sich der seinerzeit jüngste Benediktinerabt als Wahlspruch gegeben. Und in seinem letzten Buch, das aus Gesprächen mit dem Verleger und Autor Winfried Nonhoff in den letzten Monaten vor Lechners Tod entstand, kommt gut zum Ausdruck, wie der Mönch dieses Motto in seinem Leben umsetzte.

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Ein weites Herz

Was bedeutet es, „mit weitem Herzen“ zu leben? Im Gespräch blickt Odilo Lechner zurück auf sein Leben, auf Kindheit, Schule, Studium, Ordenseintritt, berufliche Laufbahn, er schildert zahlreiche Begegnungen mit bekannten Persönlichkeiten oder auch ganz unbekannten Menschen, er spricht über die Stärken und die Schwächen der Kirche und über Besonderheiten des klösterlichen Lebens. Dabei erfährt man viel Sympathisches über einen äußerst gebildeten, vielseitig interessierten und immer um das Wohl der Menschen besorgten Ordensmann.

Grundlegende Fragen des Glaubens

Am eindringlichsten sind jedoch die Passagen, in denen Odilo Lechner immer wieder vordringt zu den grundlegenden Fragen des Glaubens, die für ihn sein ganzes Leben lang wichtig und prägend waren. Entscheidend ist für ihn vor allem, dass der Mensch bewusst sein Leben auf ein Ziel hin ausrichten will. Es braucht diese bewusste Entscheidung, glauben zu wollen, eine Orientierung für sein Leben zu suchen. Dann muss man aber auch in seinem Leben Raum für Gott schaffen, und das ist angesichts vieler Aufgaben, Interessen und Ablenkungen nicht so leicht – auch Ordensleute sind hier alles andere als weltfremd. Wenn man aber zum göttlichen Geheimnis in Beziehung getreten ist – sei es durch Gebet, durch Gottesdienst, durch Lesen in der Bibel oder auf irgendeinem anderen Weg –, dann wird der Mensch auch einen tiefen Sinn erfahren und sein eigenes Leben annehmen können, das ist Odilo Lechners tiefste Überzeugung und die Erfahrung seines langen Lebens. Das eigene Leben trotz mancher Schwächen und manchem Versagen annehmen zu können und in der Rückschau einen Sinn darin zu finden, ist für Odilo Lechner die Frucht eines Lebens, das man im Vertrauen auf Gott gelebt hat.

Was wirklich zählt

Odilo Lechner wusste aufgrund seiner Krankheit bei den Gesprächen zu diesem Buch, dass sein Tod nicht mehr lange auf sich warten ließe, und unter dieser Perspektive zeigt sich ohne Zweifel besonders klar, was im Leben wirklich zählt. Lechner sieht das Alter trotz seiner zunehmenden Einschränkungen darum auch keineswegs negativ. Vieles nicht mehr tun zu können, öffne vielmehr den Blick für bisher Übersehenes und gebe dem Menschen doch die Freiheit, sich um das wirklich Wichtige zu kümmern. Der Benediktinerpater gibt darum an die Leser/innen auch gerne eine Empfehlung seines Ordensgründers weiter: Der heilige Benedikt rät dazu, man solle eigentlich immer den Tod vor Augen haben, um so einen vernünftigen Maßstab für die Dinge des Alltags zu finden.

Die Gespräche zeigen in eindrucksvoller Weise, wie Odilo Lechner auf diesem Wege tatsächlich zu einer ebenso seltenen wie wünschenswerten Gelassenheit gefunden hat, die es ihm erlaubte, die Belange dieser Welt immer mehr loszulassen und so ganz „offen für ein großes Geheimnis“ zu werden. Viele sollten und werden sich das gerne zum Vorbild nehmen. (Sankt Michaelsbund)

 

 

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Offen für ein großes Geheimnis

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