Februar 2018: "Bonhoeffer" von Alois Prinz

Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag ...“. Diese Zeile stammt aus Dietrich Bonhoeffers wohl bekanntestem Text, den er 1944 kurz vor Weihnachten im Gefängnis schrieb. Das Gedicht zeugt von tiefem Gottvertrauen angesichts eines drohenden Todesurteils – und von dem Funken Hoffnung, dass das Kriegsende diesem Urteil zuvorkommen könnte. Es kam anders und das Gedicht wurde Teil von Bonhoeffers Vermächtnis.

Lebenlauf und Lebensthema

In diesen Jahren zeichnete sich sein Lebensthema ab. Wie gehören die Wirklichkeit Gottes und die Wirklichkeit der Welt zusammen? Das war für Bonhoeffer alsbald keine akademische Frage mehr, sondern – beflügelt durch seine Erfahrung als Vikar und Studentenseelsorger – eine ganz praktische Frage. Wie handelt man als Christ richtig?

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Alois Prinz beschreibt sehr eindrucksvoll, wie Bonhoeffer allmählich in diese Haltung hineinwuchs. Aus einer protestantischen, gutbürgerlichen Familie stammend begann er sein Theologiestudium mit großem Ehrgeiz und hatte bereits 1927, nach nur vier Jahren, seinen Doktor und 1930 die Qualifikation für eine Professur in der Tasche und hielt seine Antrittsvorlesung – gerade mal 24 Jahre alt!

Anfang der vierziger Jahre arbeitete er an einem Buch zu dieser Frage, „das wichtigste Buch seines Lebens“, wie Alois Prinz schreibt, doch es wurde nie fertig.

Die politische Entwicklung im Deutschen Reich und innerhalb der evangelischen Kirche, die von den Nationalsozialisten in kurzer Zeit „gleichgeschaltet“ wurde, brachte Bonhoeffer zur „Bekennenden Kirche“, für die er zu einer zentralen Figur wurde, und in Kontakt mit dem Widerstand. Diese Verbindung zusammen mit einigen kritischen Äußerungen führten 1943 zur Festnahme durch die Gestapo. Kurz vor Kriegsende 1945 wurde Dietrich Bonhoeffer erhängt.

Bonhoeffers "Sein für andere"

Doch Bonhoeffers Bedeutung besteht nicht allein darin, dass er aus christlicher Überzeugung Widerstand gegen Hitler geleistet hat. Alois Prinz arbeitet an vielen Stellen der Biografie heraus, dass Bonhoeffers theologische Ideen heute noch große Wirkung entfalten können. Er war auf der Suche nach einem Gott, der mit allen Dimensionen des menschlichen Lebens verwoben ist, ein Gott „mitten im Leben“. Diesen Gott fand Bonhoeffer in der Spur Jesu im „Sein für andere“. Dieses „Sein für andere“ ist eine Absage an jede Form von Weltflucht und alle Versuche, das Christliche auf bestimmte, unpolitische Lebensbereiche zu beschränken. Man müsse wie Jesus selbst leben, „als gäbe es keinen Gott“. An diesem Paradox, das Bonhoeffer in seinen Briefen aus dem Gefängnis formulierte, hat man gewiss lange zu kauen, aber es lohnt sich, wie sich überhaupt eine Beschäftigung mit Dietrich Bonhoeffer lohnt, um herauszufinden, wie man heute als Christ leben kann.

Das Faszinierende an Alois Prinz‘ hervorragender Biografie ist die Leichtigkeit, mit der er das Leben und die Ideen Dietrich Bonhoeffers schildert. Die Leser/innen begegnen einem Menschen, der seinen eigenen Weg gesucht und gefunden hat – und andere Menschen dazu inspirieren kann. Gerade deshalb eignet sich Prinz‘ Biografie nicht nur für Erwachsene, sondern ausdrücklich auch für Jugendliche ab etwa 15 Jahren.

(Borromäusverein)

 

Bonhoeffer

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Januar 2018: "Offen für ein großes Geheimnis" von Abt Odilo Lechner

Am 3. November 2017 starb Odilo Lechner, der als Abt fast 40 Jahre lang das Münchner Benediktinerkloster St. Bonifaz leitete. Zu seinem Requiem war die Münchner Frauenkirche überfüllt wie sonst nur zur Christmette. Menschen jeden Alters und jeglichen gesellschaftlichen Standes waren zur Seelenmesse gekommen. Was hatte diesen bescheidenen und freundlichen Mönch so bekannt und beliebt gemacht? „Mit weitem Herzen“ hatte sich der seinerzeit jüngste Benediktinerabt als Wahlspruch gegeben. Und in seinem letzten Buch, das aus Gesprächen mit dem Verleger und Autor Winfried Nonhoff in den letzten Monaten vor Lechners Tod entstand, kommt gut zum Ausdruck, wie der Mönch dieses Motto in seinem Leben umsetzte.

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Ein weites Herz

Was bedeutet es, „mit weitem Herzen“ zu leben? Im Gespräch blickt Odilo Lechner zurück auf sein Leben, auf Kindheit, Schule, Studium, Ordenseintritt, berufliche Laufbahn, er schildert zahlreiche Begegnungen mit bekannten Persönlichkeiten oder auch ganz unbekannten Menschen, er spricht über die Stärken und die Schwächen der Kirche und über Besonderheiten des klösterlichen Lebens. Dabei erfährt man viel Sympathisches über einen äußerst gebildeten, vielseitig interessierten und immer um das Wohl der Menschen besorgten Ordensmann.

Grundlegende Fragen des Glaubens

Am eindringlichsten sind jedoch die Passagen, in denen Odilo Lechner immer wieder vordringt zu den grundlegenden Fragen des Glaubens, die für ihn sein ganzes Leben lang wichtig und prägend waren. Entscheidend ist für ihn vor allem, dass der Mensch bewusst sein Leben auf ein Ziel hin ausrichten will. Es braucht diese bewusste Entscheidung, glauben zu wollen, eine Orientierung für sein Leben zu suchen. Dann muss man aber auch in seinem Leben Raum für Gott schaffen, und das ist angesichts vieler Aufgaben, Interessen und Ablenkungen nicht so leicht – auch Ordensleute sind hier alles andere als weltfremd. Wenn man aber zum göttlichen Geheimnis in Beziehung getreten ist – sei es durch Gebet, durch Gottesdienst, durch Lesen in der Bibel oder auf irgendeinem anderen Weg –, dann wird der Mensch auch einen tiefen Sinn erfahren und sein eigenes Leben annehmen können, das ist Odilo Lechners tiefste Überzeugung und die Erfahrung seines langen Lebens. Das eigene Leben trotz mancher Schwächen und manchem Versagen annehmen zu können und in der Rückschau einen Sinn darin zu finden, ist für Odilo Lechner die Frucht eines Lebens, das man im Vertrauen auf Gott gelebt hat.

Was wirklich zählt

Odilo Lechner wusste aufgrund seiner Krankheit bei den Gesprächen zu diesem Buch, dass sein Tod nicht mehr lange auf sich warten ließe, und unter dieser Perspektive zeigt sich ohne Zweifel besonders klar, was im Leben wirklich zählt. Lechner sieht das Alter trotz seiner zunehmenden Einschränkungen darum auch keineswegs negativ. Vieles nicht mehr tun zu können, öffne vielmehr den Blick für bisher Übersehenes und gebe dem Menschen doch die Freiheit, sich um das wirklich Wichtige zu kümmern. Der Benediktinerpater gibt darum an die Leser/innen auch gerne eine Empfehlung seines Ordensgründers weiter: Der heilige Benedikt rät dazu, man solle eigentlich immer den Tod vor Augen haben, um so einen vernünftigen Maßstab für die Dinge des Alltags zu finden.

Die Gespräche zeigen in eindrucksvoller Weise, wie Odilo Lechner auf diesem Wege tatsächlich zu einer ebenso seltenen wie wünschenswerten Gelassenheit gefunden hat, die es ihm erlaubte, die Belange dieser Welt immer mehr loszulassen und so ganz „offen für ein großes Geheimnis“ zu werden. Viele sollten und werden sich das gerne zum Vorbild nehmen. (Sankt Michaelsbund)

 

 

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Offen für ein großes Geheimnis

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