Juni 2019 Gott funktioniert nicht von Thomas Frings

Drei Jahre nach seinem Rücktritt als Pfarrer und seinem Bestsellererfolg meldet sich Thomas Frings wieder zu Wort. Er schreibt über sein Suchen und sein Zweifeln, sein Ringen um eine Vorstellung von Gott, die herausfordert und Mut braucht. Er zeigt einen Glauben, der Gott ernst nimmt und ohne den die Kirche nicht überleben wird. Thomas Frings ist davon überzeugt, dass nur solch ein Glaube trägt und das Fundament von allem ist, was Kirche ausmacht - egal, um welche Konfession es sich handelt.

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Wo der Glaube fragwürdig geworden ist, hilft es nicht, frühere Gewissheiten zu beschwören

Der Titel von Thomas Frings‘ Buch ist auf den ersten Blick missverständlich. Doch bei näherem Hinsehen stellt man fest, dass diese Doppeldeutigkeit durchaus gewollt ist und den Nerv der Zeit trifft. Wenn man z.B. auf die Umfrage schaut, mit der das Nachrichtenmagazin Der Spiegel seine Leser*innen zu Ostern beglückte, könnte man den Titel „Gott funktioniert nicht“ so verstehen, dass Gott keine überzeugende Idee ist, denn nur 55 Prozent der Befragten glauben überhaupt an (irgendeinen) Gott. Doch so meint Frings das gerade nicht. Nach „Aus, Amen – Ende?“ (2017), in dem er die derzeitige pastorale Praxis scharf kritisierte, legt der ehemalige Pfarrer aus Münster jetzt dar, warum, was und wie er glaubt. Weil der Glaube an Jesus Christus in unserer Gesellschaft längst nur noch eine Option unter anderen ist, müsse er gut begründet sein, so Frings. Denn: „Wo der Glaube fragwürdig geworden ist, hilft es nicht, frühere Gewissheiten zu beschwören.“

Gott ein Leben lang aushalten

Für seine Begründung hat er eine wohltuend alltagsnahe, handfeste Sprache gefunden, die Glauben und Zweifel nicht hinter frommen Worthülsen versteckt. Statt vermeintliche Gewissheiten zu referieren, erklärt er lieber, was Gott nicht ist. Zum Beispiel kein Gebetsautomat, in den man oben eine Bitte einwirft und unten wie bei einem Fahrkartenautomaten eine Gebetserhörung herausbekommt. Gott funktioniert nicht – zumindest nicht so. Für Thomas Frings steht fest, dass Gott in dieser Welt wirkt, doch dieses Wirken lässt sich nicht so einfach beschreiben. „Wir können nicht erwarten, dass wir andere mit unserem Glauben oder gar Wundererzählungen logisch überzeugen“, fasst er das Problem zusammen. „Zugleich müssen wir daran festhalten, dass etwas Unglaubliches Kern unseres Glaubens ist.“ Oder mit dem Theologen Karl Rahner gesprochen: Es geht darum, die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang auszuhalten. Aber ist das nicht viel zu schwammig? An dieser und an einigen anderen Stellen wirkt der Text, als sei Frings auf halber Strecke stehen geblieben. Doch ist das nur konsequent. „Gott funktioniert nicht“ heißt eben auch: Gott und sein Wirken entziehen sich dem menschlichen Wunsch nach Definition. „Gott ist nie Besitz, sondern immer ein zu Suchender, bis zum Ende des Lebens, an dem die Begegnung mit ihm auf mich wartet.“

Rechenschaft über die Hofffnung geben

Dass zum Glauben auch gehört, Nicht-Wissen auszuhalten, dass die Rede von Gott als Geheimnis nicht Denkfaulheit, sondern Einsicht in das Wesen Gottes ist, gehört (warum eigentlich?) offensichtlich nicht zum Allgemeinwissen. Thomas Frings hätte das auch noch deutlicher auf den Punkt bringen dürfen. Aber auch so verfehlt er seine Wirkung nicht und regt gerade an den Stellen, die unfertig wirken, dazu an, eine eigene Position zu suchen.

Deshalb ist es ein Glück, dass Thomas Frings in seinem Buch in aller Bescheidenheit versucht, Rechenschaft von der Hoffnung zu geben, die ihn trägt – und dabei darauf verzichtet, alles genau zu wissen. Das macht es so lesenswert. (Borromäusverein)


Mai 2019 Durchkreuzt von Andreas R. Bartlogg

Mit Jahresende 2017 sollte der Jesuit Andreas R. Batlogg nach siebzehn Jahren aus der Redaktion der Kulturzeitschrift "Stimmen der Zeit" ausscheiden, die er seit September 2009 als Herausgeber und Chefredakteur geleitet hatte. Ein Flug nach Tel Aviv war geplant, in Jerusalem wollte er den ersten Teil einer mehrmonatigen Sabbatzeit verbringen. Es kam anders. Alle Pläne wurden durchkreuzt. Ende September erhielt der Autor die Diagnose Darmkrebs. Chemotherapie und Bestrahlung begannen, gefolgt von einer schweren Operation Mitte Januar 2018. Zwei weitere Operationen waren notwendig. Wie geht ein Ordensmann und Priester mit der Diagnose Krebs um? Welche Sicherheiten geraten ins Wanken? Hilft Glaube? Was davon? Und wie? Welche Gebete werden wichtig? Welche Menschen begleiten den Weg? Diese und andere Fragen beantwortet der Jesuit in seinem Buch. Offen und ehrlich beschreibt er seine Krankheitsgeschichte, erzählt, was ihm in schweren Stunden Trost schenkte und warum Freunde zu einer wichtigen Stütze wurden.

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Ein Jesuit schildert, wie sich seine Krebserkrankung auf sein Leben und seinen Glauben auswirkt.

Wir kennen das eigentlich alle: Da machen wir ausgefeilte Pläne für die nächsten Wochen, Monate und Jahre, doch dann durchkreuzt irgendein ein unerwartetes Ereignis unsere schönen Vorstellungen! Wenn das Unvorhergesehene allerdings in einer schweren, ja lebensbedrohlichen Krankheit besteht, bekommt das Wort "durchkreuzen" für religiöse Menschen einen tieferen Sinn - der typografisch zweifarbig gestaltete Titel des Buches von Andreas Batlogg weist bereits unmissverständlich darauf hin. Nach anstrengenden 17 Jahren in der Redaktion der Zeitschrift "Stimmen der Zeit" steht für den 54-jährigen Jesuiten ein Sabbatjahr in Israel kurz bevor, als ihn aus heiterem Himmel die Diagnose Darmkrebs ereilt - ein bösartiger Tumor und bereits ziemlich groß. Auf einen Schlag platzen alle Vorhaben, eine sofortige Behandlung ist unerlässlich, die Krankheit beansprucht alle Kräfte und alle Gedanken - bis hin zur bohrenden Frage, ob vielleicht der baldige Tod bevorsteht.           

Trost finden durch Menschlichkeit

Es folgt ein viele Monate dauernder Behandlungsweg mit Bestrahlungen und Chemotherapie sowie insgesamt vier Operationen. Ein Weg voller Ängste, Einbußen und Einschränkungen, die nicht nur den Leib schwächen, sondern auch zu seelischen Belastungen werden. Der Autor beschönigt hier nichts, wirklich gar nichts, auch gibt er ganz offen zu, dass vieles eher oberflächlich gehaltene fromme Gerede auf dem Prüfstand einer solchen Extremsituation nicht standhält, dass überhaupt vorschnelle Vertröstungen versagen. Und doch öffnet ihm die Krankheit auch die Augen für Neues, lässt ihn neue Perspektiven einnehmen und zeigt, was wirklich Trost spenden kann: menschliche Zuwendung, die nicht viele Worte macht, echte Freundschaften und nicht zuletzt der Glaube an einen liebenden Gott, der in Jesus Christus wirklich immer für uns da ist. Diese spirituelle Einsicht gewinnt freilich erst durch die durchlittene Realität hindurch ihre eigentliche Wahrheit.

Jesus Christus Leid erkennen

"Vielleicht reden wir Christen manchmal zu schnell von Auferstehung - und übergehen auf dem Weg zum Ostermorgen das, was ihm vorausging", schreibt Batlogg. Der christliche Glaube gründet sich eben gerade nicht auf eine ungebrochene Erfolgsgeschichte nach den Maßstäben dieser Welt: "Am Leben Jesu teilnehmen bedeutet auch, am Leiden Jesu teilnehmen, Kreuzerfahrungen machen, Erfahrungen der Verlassenheit, des Nicht-Verstanden-Werdens, der Sprachlosigkeit. Das kennen wir alle. Kranke erst recht."

"Unsere Tage zu zählen lehre uns, dann gewinnen wir ein weises Herz."

Die mutige Offenheit, mit der Pater Batlogg hier über das Erleben und Erdulden seiner Krankheit schreibt, ist beeindruckend. Wirklich schonungslos schildert der Jesuit die Verletzlichkeit seines Leibes wie seiner Seele - und öffnet uns dadurch die Augen für unsere eigene Verletzlichkeit (und die unserer Mitmenschen), wofür man ihm gar nicht genug dankbar sein kann! Gerade in der freimütigen Darstellung, die kein schlimmes Detail ausspart, ganz ehrlich von zeitweiser Inkontinenz und dem anfänglichen Ekel vor dem künstlichem Darmausgang spricht, geschieht eine befreiende und bereichernde Mit-Teilung von Krankheit und Leiden, die uns Leser/innen zu größerer Empathie gegenüber Kranken wie zum wacheren Bewusstsein der eigenen Endlichkeit befähigt, Ängste vor Leiden und Sterblichkeit zumindest ein Stück weit abbauen hilft, Trost und Ermutigung sein kann und ein gelassen und frei machendes Gottvertrauen vermittelt. Der Autor zitiert neben vielen anderen Schriftstellen (und Dichterworten) auch einen Vers aus Psalm 90: "Unsere Tage zu zählen lehre uns, dann gewinnen wir ein weises Herz." Dieses Buch kann uns auf dem Weg zu einem weisen Herzen ein entscheidendes Stück voranbringen! (Sankt Michaelsbund)


April 2019: Das Christentum von Christian Nürnberger

Informative Einführung ins Christentum von Bestsellerautor Christian Nürnberger.
Kann die christliche Botschaft heute noch Berge versetzen?
Christian Nürnberger spürt dieser spannenden Frage nach, indem er zunächst zurückgeht zu den Ursprüngen des Christentums, zum Fundament. Er zeigt, welche Wirkung es über die Jahrhunderte entfaltet hat und schält den Kern der christlichen Botschaft heraus, der heute noch so aktuell ist wie damals.
Ein informatives Buch sowohl für Glaubenseinsteiger als auch für praktizierende Gläubige.

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Das Christentum und der Mensch als Saboteur

Kann man das machen? Ein Buch empfehlen, dass das Christentum mit sehr deutlichen Worten in den Senkel stellt? „Die Geschichte des Christentums ist eine große Geschichte des Scheiterns, des Verrats und des Herumtrampelns auf der eigenen Botschaft. Es ist eine Geschichte der ewigen Vermischung menschlicher Interessen mit denen Gottes, und es ist eine Geschichte der Instrumentalisierung des Glaubens für Macht, Herrschaft und Besitz.“ Ja, man kann so eine Empfehlung aussprechen. Vielleicht muss man das sogar, um zu verstehen, wie das Christentum wurde, was es heute ist - und wie es in Zukunft damit weitergehen könnte.

Das Wesentliche und die Notwendigkeit des Christentums

Außerdem lässt Christian Nürnberger – Journalist, Theologe und Autor („Der rebellische Mönch, die entlaufene Nonne und der größte Bestseller aller Zeiten“, ebenfalls bei Gabriel erschienen) – keinen Zweifel daran, dass es auch die andere Seite des Christentums gibt – und dass es der Welt nicht gut bekommen würde, wenn es Kirche und Christentum eines Tages nicht mehr gäbe. Deshalb hat Nürnberger aufgeschrieben, was er für das Wesentliche des Christentums hält. Er fängt bei Abraham an und schildert die Glaubensgeschichte von Juden und Christen als Geschichte des Versuchs Gottes, den Hang des Menschen zu Egoismus, Clandenken, Gewalt und Selbstzerstörung zu durchbrechen und ihn für eine Lebens- und Gesellschaftsform zu gewinnen, die Jesus zuletzt „Reich Gottes“ genannt hat. Es ist eine Geschichte wiederholten Scheiterns und wiederholter Aufbrüche.

Außergewöhnliche Perspektiven und Interpretationen Nürnbergers

Nürnbergers mitreißende Schilderung dieser Glaubensgeschichte bietet einige Überraschungen. Zu nennen wäre z.B., dass er einen Zusammenhang herstellt zwischen Isaaks Beinahe-Opferung und der Bergpredigt, oder dass er den unschätzbaren Wert der jüdisch-christlichen Rede von der Sünde betont, weil der Mensch auf Dauer nur überleben wird, wenn er sich selbst klar sieht – und sich dabei nichts vormacht. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass die Pointe des christlichen Glaubens gerade in dem steckt, was ihn von allen anderen Religionen unterscheidet. Nürnberger liefert dann keine Definitionen des unterscheidend Christlichen, sondern Geschichten. Zum Beispiel die von Pfarrer Holmer, der 1990 dem Ehepaar Honecker in seinem Pfarrhaus Asyl bot. Oder die von der Schriftstellerin Herta Müller, die sich weigerte, mit der Securitate zusammen­zuarbeiten. Oder die vom Barmherzigen Samariter.

Ein informatives Buch für Glaubenseinsteiger und praktizierende Gläubige

Nürnberger erzählt auf Augenhöhe mit den Zweiflern und religiös nicht mehr trittfesten Zeitgenossen. Geschickt greift er Einwände gegen die Vernünftigkeit des christlichen Glaubens auf und schlägt Brücken von unserer in die fremde Welt der Bibel. Dabei kommt er ohne die gängigen theologischen Floskeln und Fremdwörter aus. Sein Buch bietet Jugendlichen (ab 14, 15 Jahren) und Erwachsenen jede Menge Stoff zum Nachdenken, Gedanken, an denen man sich reiben und seine eigenen Überzeugungen prüfen kann. Ein Buch, das nachhallt und hoffentlich viele Leser*innen findet! (Borromäusverein)

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GABRIEL VERLAG
Gebunden, Mit Schutzumschlag, 336 S.

ArtikelNr.: 90-354391
ISBN/EAN: 9783522305143

15,00 €

inkl. MwSt.


März 2019: Begleiter für die Fastenzeit

Kardinal Schönborn ist ein weltweit anerkannter Theologe, und als Erzbischof ist er immer Seelsorger geblieben. Seit vielen Jahren schreibt er jede Woche einen meditativen Impuls zum Evangelium des Sonntags, der die Botschaft Jesu in den Alltag übersetzt. In diesem Buch sind Erschließungen der Evangelientexte aus allen drei Lesejahren vom Ersten Fastensonntag bis Pfingsten zusammengestellt - ein ansprechender Begleiter zur spirituellen Vorbereitung und zum bewussten Mitfeiern der österlichen Zeit von Aschermittwoch bis Pfingsten.

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Ein Begleiter für die Fasten- und Osterzeit 

Die vierzigtägige Fastenzeit vor Ostern hat in den letzten Jahren wieder ein positiveres Image gewonnen. Dass ein gewisser Verzicht nicht nur der Gesundheit und der Selbstdisziplinierung förderlich ist, sondern obendrein auch der Umwelt guttut, leuchtet eigentlich jedem ein. Auch ohne religiöse Motivation unterziehen sich darum viele im Frühjahr einer Fastenkur. Allerdings geht es bei der Fastenzeit, die von der Kirche „österliche Bußzeit“ genannt wird, eigentlich um viel mehr als bloß um einen – wie auch immer motivierten – zeitweisen Verzicht auf bestimmte Genüsse. Der Titel, den der Wiener Erzbischof, Christoph Kardinal Schönborn, seinem neuen „Begleiter für die Fasten- und Osterzeit“ gegeben hat, bringt das in einer sehr schönen Formulierung zum Ausdruck: Die Fastenzeit soll vor allem zu einer „Zeit der liebenden Aufmerksamkeit“ werden.       

Bekannte Texte - neue Erkenntnisse

Und tatsächlich werden selbst mit der Bibellektüre vertraute Leser/innen in diesem Buch sicherlich auch neue Sichtweisen auf die bekannten Texte entdecken. Zum Beispiel, wenn Kardinal Schönborn im Blick auf die Versuchungen Jesu durch den Teufel in der Wüste feststellt, dass die größte Versuchung für uns selbst im Grunde darin besteht, „zu glauben, dass Gott uns fallen lässt, wenn wir gefallen sind“. Sehr nachdenklich machen kann auch der Hinweis, dass Jesus bei seiner Verklärung auf dem hohen Berg genau die drei Jünger mit sich nimmt, die er später am Ölberg in seiner bittersten Stunde im Garten von Gethsemane um sich haben will, als er in seiner Todesangst gewissermaßen ganz tief unten angekommen ist. Ganz wichtig ist auch die Klarstellung, dass das Kreuz ein Symbol ist, das gerade niemanden ausgrenzen will, im Gegenteil: „Für mich ist das Kreuz das große Zeichen, dass Jesus keinen Menschen ausschließt, dass er für alle offene Arme hat.“ So sagt es Jesus ja auch in seiner Abschiedsrede: „Wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich ALLE an mich ziehen“. Und im Blick auf Ostern fragt Kardinal Schönborn mit Recht, ob nicht heute bei vielen Katholiken eine ähnliche Stimmung herrscht wie bei den Jüngern nach Jesu Tod: Die Kirche scheint vielen gescheitert zu sein, am Ende. Glauben wir an Ostern, dass Jesus wirklich lebt? Dass er auch in seiner Kirche lebt und diese deshalb neu auferstehen kann?

Kardinal Schönborn reflektiert persönlich und lebensnah

Das Buch bietet Betrachtungen zu den Sonntags-Evangelien des österlichen Weges, von der Fastenzeit bis Pfingsten – und zwar für alle drei Lesejahre, so dass der Fastenbegleiter zum einen jedes Jahr aktuell ist und andererseits auch eine größere Vertiefung erlaubt. Kardinal Schönborns Auslegungen des Evangeliums sind keine theologischen Reflexionen, vielmehr lebensnahe Betrachtungen. Auch sind es ursprünglich keine Predigten, sondern Beiträge für Österreichs größte Tageszeitung, sie richten sich also nicht ausschließlich an Kirchgänger/innen, sondern im Grunde an alle. Und es sollen auch nicht Unterweisungen im Glaubenswissen sein, sondern Ermutigungen, die Worte des Evangeliums persönlich zu betrachten. Wer dieser Einladung folgt, wird in jedem Fall Gewinn daraus ziehen.

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PATMOS VERLAG
Gebunden, Mit Lesebändchen, 224 S.

ArtikelNr.: 90-36953
ISBN/EAN: 9783843611206

19,00 €

inkl. MwSt.


Februar 2019: Wenn der Glaube konkret wird

Da sitzt Jesus auf dem Gipfel und verkündet freundlich lächelnd eine Zumutung nach der anderen. Die Bergpredigt, das Herzstück des Neuen Testaments, ist so etwas wie das ruhende Auge des Tornados. Sie scheint friedlich, aber sie hat explosive Kraft und kann alle menschlichen Maßstäbe wegfegen. "Liebt eure Feinde." "Selig die Armen im Geist." "Glücklich, wer verfolgt wird für die Gerechtigkeit." Selbst wenn man es ernsthaft versucht: Ist das umsetzbar? Denen Gutes zu tun, die uns hassen, Friedfertigkeit selbst um den Preis des Leidens - das scheint zu viel verlangt! Doch für Jesus ist es das Grundgesetz des Glaubens und der Anbruch der Gottesherrschaft. Franz Kamphaus weicht dem Anspruch der Bergpredigt nicht aus. Er hat sie sein Leben lang meditiert und zu leben versucht und sich deswegen nie an sie gewöhnt. Dieses Buch enthält seine Auslegungen zu den wichtigsten Abschnitten. In knapp bemessenen, treffsicheren Worten erschließt er auf seine besondere Art die Zumutungen der Bergpr
edigt und übersetzt sie in die Lebenswelt von heute. Am Ende jedes Abschnitts finden sich Impulse für die eigene Meditation oder auch ein Gruppengespräch.

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Gedankenanstöße zum Umgang mit Forderungen der Bergpredigt

"Ihr seid das Salz der Erde", sagt Jesus in der Bergpredigt. Und im gleichen Atemzug: "Ihr seid das Licht der Welt". Doch könnte man angesichts anhaltender Diskussionen um Macht und deren Missbrauch, um Priestermangel und dessen Verwaltung, um Reformen oder weiter so durchaus den Eindruck bekommen, dass es mit Licht und Salz in der katholischen Kirche in Deutschland im Moment nicht weit her zu sein scheint. Genau deshalb erinnert Franz Kamphaus, bis 2007 Bischof von Limburg, an die Bergpredigt als Grundgesetz des Christentums. Warum, fragt er, steht sie nicht im Mittelpunkt allen kirchlichen Wirkens, wenn sie doch den Dreh- und Angelpunkt der Botschaft Jesu vom Reich Gottes bildet? Müsste die Reich-Gottes-Botschaft, für die Jesus den Tod in Kauf genommen hat, nicht im Mittelpunkt des jetzt fälligen Neuaufbruchs stehen?

 

Das Durchbrechen der Vergeltungslogik

Kamphaus hört genau hin, was Jesus in den Seligpreisungen und in den Antithesen (Ihr habt gehört - Ich aber sage euch) sagt über Gerechtigkeit, Mord und die Ehe - und was das für Christen heute bedeutet. Dabei entschärft er nichts. Jesu Forderungen, Gewalt nicht mit Gegengewalt zu beantworten und die Feinde zu lieben, sind dabei sicher diejenigen, die am schwersten verdaulich sind. Dennoch dürfen sich die Christen nicht um deren Verwirklichung drücken, wie es in der Vergangenheit immer wieder geschehen sei. Jesus gehe es darum, die Vergeltungslogik (Wie du mir, so ich dir) zu durchbrechen. "Die Bösen und Ungerechten schreiben Gott nicht vor, wie er sich zu verhalten hat. Gottes Handeln ist nicht vom Prinzip der Gegenseitigkeit bestimmt. Nicht das Handeln des Feindes soll uns bestimmen, sondern das Handeln Gottes." Also: Wie Gott mir, so ich dir. - Zum entscheidend Christlichen - dem Kennzeichen C sozusagen - gehört außerdem, sanft, arm und barmherzig zu sein. Diese Grundhaltungen ergeben sich, so Kamphaus, aus den Seligpreisungen. Sie sind auf den ersten Blick vielleicht nicht gerade attraktiv, stehen sie doch in deutlichem Kontrast zu den Werten unserer Leistungs- und Konsumgesellschaft, können aber enorme Strahlkraft entfalten. Denn sie zeigen, was es heißt, unter der Herrschaft Gottes zu leben, sich für das Reich Gottes zu entscheiden und es mit Leben zu füllen.

 

Das Reich Gottes muss nach außen wachsen

Diese Auslegung der Bergpredigt ist die Frucht einer lebenslangen Auseinander-setzung mit diesem Text. Abschnitt für Abschnitt macht Kamphaus sie in knappen, klaren Worten für die Welt von heute fruchtbar und ermuntert die Leser/innen, gerade das ernst zu nehmen, was daran utopisch scheint. Es genügt eben nicht, dass das Reich Gottes nur in der Seele der Menschen wächst, es muss nach außen wirken. Dabei helfen auch die "Anstöße" am Ende eines jeden Kapitels, die das Gesagte für die persönliche Auseinandersetzung zusammenfassen. - Wichtig ist dem Autor allerdings, dass nicht der Eindruck von Leistungszwang entsteht. Das wäre auch nicht im Sinne Jesu. Wenn dieser seine Zuhörer durch die Zeiten als "Salz der Erde" und "Licht der Welt" bezeichnet, verwendet er den Indikativ. Es ist also gerade keine Aufforderung, sondern eine Feststellung: "Ihr seid". "Salz muss nur da sein, das reicht", kommentiert Kamphaus. "Und wenn es da ist, würzt es auch. Wo wir da sind als Christen, da geben wir Geschmack." - Kamphaus' Buch hilft, den eigenen Salzgehalt nicht zu vergessen, und ermutigt dazu, Jesus beim Wort zu nehmen und die christlichen Grundhaltungen zu leben.  (Sankt Michaelsbund)

 

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PATMOS VERLAG
Gebunden, Mit Lesebändchen, 144 S.

ArtikelNr.: 90-330122
ISBN/EAN: 9783843610346

19,00 €

inkl. MwSt.


Januar 2019: "Weiß der Himmel...?" von Tillmann Prüfer

„Wie ich über die Frage nach Leben und Tod stolperte und plötzlich in der Kirche saß“ – mit diesem Untertitel erklärt Tillmann Prüfer sehr anschaulich, was ihn zu diesem Buch veranlasste. Der sehr erfolgreiche Journalist, Anfang 40, lebt mit seiner Familie ein glückliches, unbeschwertes Leben, als ihn der plötzliche Tod seines besten Freundes aus all seinen Sicherheiten reißt. Er spürt einerseits den ganz starken Wunsch, glauben zu können – an eine „Macht, die den Dingen Sinn gibt, auch den schrecklichen Dingen.“ Andererseits hat er sich vom religiösen Glauben seiner Kindertage längst ganz weit entfernt. Und in seiner Alltagswelt findet seine Sehnsucht nach Glauben kaum einen Ansatzpunkt. Als Modekritiker bei einem Zeitungs-Magazin beschäftigt er sich vor allem mit Äußerlichkeiten, mit schnelllebigen Trends, und er bewegt sich überwiegend unter Menschen, die von sich sagen, nicht zu glauben, nicht glauben zu können. Tillmann Prüfer begibt sich also auf eine Suche nach Möglichkeiten, den Glauben vielleicht doch auch für sich selbst finden zu können.

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Ein persönlicher Weg zum Glauben

Er schildert in diesem Buch seinen Weg, der ihn langsam und nicht immer in der erwarteten Weise, aber doch immer näher hinführt zu der Faszination, die der Glaube für einen Menschen bedeuten kann. Es beginnt mit ersten Besuchen in der Kirche zum Gottesdienst einer scheinbar hoffnungslos überalterten und unweigerlich schrumpfenden evangelischen Gemeinde in Berlin – die ihm aber doch ein ungekanntes Gefühl von Heimat gibt. Es geht weiter mit einem Aufenthalt in einem Südtiroler Kapuzinerkloster, wo ihn die einfache und geregelte Lebensweise fasziniert, die aber für einen Familienvater so natürlich unerreichbar bleibt. Schließlich eine Israelreise zu den Ursprüngen des jüdisch-christlichen Glaubens, wo die religiösen Konflikte im Heiligen Land in ihm allerdings vor allem die Erkenntnis wecken, dass ein allzu fester Glaube auch seine Probleme mit sich bringen kann…

Ohne Angekommensein, mit Zweifeln und noch mehr Trost

Es ist ein Weg, der am Ende des Buches noch lange nicht zu Ende ist – und sicherlich auch ein ganzes Leben lang nicht an ein Ende kommen wird, bleiben manche Zweifel doch ein lebenslanger Begleiter für jeden Glaubenden, wie Prüfer nach einiger Zeit mit einer gewissen Erleichterung feststellt. Auch ist er sich inzwischen sicher, dass der Glaube dem Wissen und der Wissenschaft nicht feindlich gegenübersteht, eher im Gegenteil: „die Ablehnung des Glaubens ist nicht nur trostlos, sie ist dem Glauben keineswegs intellektuell überlegen oder reflektierter“, wie Prüfer schreibt.

Natürlich kann auch der Glaube nicht bewiesen werden, doch ist es wichtig, dass ihm auf der Vernunftebene zumindest keine schlagenden Argumente entgegenstehen – und so fasst Tillmann Prüfer ziemlich am Schluss des Buches „zehn gute Gründe für den Glauben“ zusammen, die schließlich in der Alternative gipfeln: Es gibt nur den Sinn oder die Sinnlosigkeit. So kann Prüfers eigenes „Glaubensbekenntnis“, das er in einem Gottesdienst vor der Gemeinde vorträgt, ebenso offen wie konsequent formulieren: „Ich glaube, denn ich will glauben. Ich finde die Vorstellung, dass die Welt, in der wir leben, nur Zufall und Chaos ist, zu trostlos, als dass ich sie für wahr halten könnte. Ich glaube, dass es einen Sinn gibt, einen Sinn, in dem wir alle geborgen sind. Einen Sinn, der höher ist als all das, was wir begreifen können.“

Bei allem Tiefgang ist das sehr persönliche und mutige Buch auch humorvoll geschrieben, dazu – wie man es von einem Journalisten erwarten darf – auch äußerst lebendig, spannend und unterhaltsam, so dass es zweifellos ganz viele Leser/innen anzusprechen vermag.    (Sankt Michaelsbund)

 

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GÜTERSLOHER VERLAGSHAUS, 2018
Gebunden, 192 S.

ArtikelNr.: 90-346867
ISBN/EAN: 9783579087061

18,00 €

inkl. MwSt.

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