Februar 2019: Wenn der Glaube konkret wird

Da sitzt Jesus auf dem Gipfel und verkündet freundlich lächelnd eine Zumutung nach der anderen. Die Bergpredigt, das Herzstück des Neuen Testaments, ist so etwas wie das ruhende Auge des Tornados. Sie scheint friedlich, aber sie hat explosive Kraft und kann alle menschlichen Maßstäbe wegfegen. "Liebt eure Feinde." "Selig die Armen im Geist." "Glücklich, wer verfolgt wird für die Gerechtigkeit." Selbst wenn man es ernsthaft versucht: Ist das umsetzbar? Denen Gutes zu tun, die uns hassen, Friedfertigkeit selbst um den Preis des Leidens - das scheint zu viel verlangt! Doch für Jesus ist es das Grundgesetz des Glaubens und der Anbruch der Gottesherrschaft. Franz Kamphaus weicht dem Anspruch der Bergpredigt nicht aus. Er hat sie sein Leben lang meditiert und zu leben versucht und sich deswegen nie an sie gewöhnt. Dieses Buch enthält seine Auslegungen zu den wichtigsten Abschnitten. In knapp bemessenen, treffsicheren Worten erschließt er auf seine besondere Art die Zumutungen der Bergpr
edigt und übersetzt sie in die Lebenswelt von heute. Am Ende jedes Abschnitts finden sich Impulse für die eigene Meditation oder auch ein Gruppengespräch.

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Gedankenanstöße zum Umgang mit Forderungen der Bergpredigt

"Ihr seid das Salz der Erde", sagt Jesus in der Bergpredigt. Und im gleichen Atemzug: "Ihr seid das Licht der Welt". Doch könnte man angesichts anhaltender Diskussionen um Macht und deren Missbrauch, um Priestermangel und dessen Verwaltung, um Reformen oder weiter so durchaus den Eindruck bekommen, dass es mit Licht und Salz in der katholischen Kirche in Deutschland im Moment nicht weit her zu sein scheint. Genau deshalb erinnert Franz Kamphaus, bis 2007 Bischof von Limburg, an die Bergpredigt als Grundgesetz des Christentums. Warum, fragt er, steht sie nicht im Mittelpunkt allen kirchlichen Wirkens, wenn sie doch den Dreh- und Angelpunkt der Botschaft Jesu vom Reich Gottes bildet? Müsste die Reich-Gottes-Botschaft, für die Jesus den Tod in Kauf genommen hat, nicht im Mittelpunkt des jetzt fälligen Neuaufbruchs stehen?

 

Das Durchbrechen der Vergeltungslogik

Kamphaus hört genau hin, was Jesus in den Seligpreisungen und in den Antithesen (Ihr habt gehört - Ich aber sage euch) sagt über Gerechtigkeit, Mord und die Ehe - und was das für Christen heute bedeutet. Dabei entschärft er nichts. Jesu Forderungen, Gewalt nicht mit Gegengewalt zu beantworten und die Feinde zu lieben, sind dabei sicher diejenigen, die am schwersten verdaulich sind. Dennoch dürfen sich die Christen nicht um deren Verwirklichung drücken, wie es in der Vergangenheit immer wieder geschehen sei. Jesus gehe es darum, die Vergeltungslogik (Wie du mir, so ich dir) zu durchbrechen. "Die Bösen und Ungerechten schreiben Gott nicht vor, wie er sich zu verhalten hat. Gottes Handeln ist nicht vom Prinzip der Gegenseitigkeit bestimmt. Nicht das Handeln des Feindes soll uns bestimmen, sondern das Handeln Gottes." Also: Wie Gott mir, so ich dir. - Zum entscheidend Christlichen - dem Kennzeichen C sozusagen - gehört außerdem, sanft, arm und barmherzig zu sein. Diese Grundhaltungen ergeben sich, so Kamphaus, aus den Seligpreisungen. Sie sind auf den ersten Blick vielleicht nicht gerade attraktiv, stehen sie doch in deutlichem Kontrast zu den Werten unserer Leistungs- und Konsumgesellschaft, können aber enorme Strahlkraft entfalten. Denn sie zeigen, was es heißt, unter der Herrschaft Gottes zu leben, sich für das Reich Gottes zu entscheiden und es mit Leben zu füllen.

 

Das Reich Gottes muss nach außen wachsen

Diese Auslegung der Bergpredigt ist die Frucht einer lebenslangen Auseinander-setzung mit diesem Text. Abschnitt für Abschnitt macht Kamphaus sie in knappen, klaren Worten für die Welt von heute fruchtbar und ermuntert die Leser/innen, gerade das ernst zu nehmen, was daran utopisch scheint. Es genügt eben nicht, dass das Reich Gottes nur in der Seele der Menschen wächst, es muss nach außen wirken. Dabei helfen auch die "Anstöße" am Ende eines jeden Kapitels, die das Gesagte für die persönliche Auseinandersetzung zusammenfassen. - Wichtig ist dem Autor allerdings, dass nicht der Eindruck von Leistungszwang entsteht. Das wäre auch nicht im Sinne Jesu. Wenn dieser seine Zuhörer durch die Zeiten als "Salz der Erde" und "Licht der Welt" bezeichnet, verwendet er den Indikativ. Es ist also gerade keine Aufforderung, sondern eine Feststellung: "Ihr seid". "Salz muss nur da sein, das reicht", kommentiert Kamphaus. "Und wenn es da ist, würzt es auch. Wo wir da sind als Christen, da geben wir Geschmack." - Kamphaus' Buch hilft, den eigenen Salzgehalt nicht zu vergessen, und ermutigt dazu, Jesus beim Wort zu nehmen und die christlichen Grundhaltungen zu leben.  (Sankt Michaelsbund)

 

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PATMOS VERLAG
Gebunden, Mit Lesebändchen, 144 S.

ArtikelNr.: 90-330122
ISBN/EAN: 9783843610346

19,00 €

inkl. MwSt.

Januar 2019: "Weiß der Himmel...?" von Tillmann Prüfer

„Wie ich über die Frage nach Leben und Tod stolperte und plötzlich in der Kirche saß“ – mit diesem Untertitel erklärt Tillmann Prüfer sehr anschaulich, was ihn zu diesem Buch veranlasste. Der sehr erfolgreiche Journalist, Anfang 40, lebt mit seiner Familie ein glückliches, unbeschwertes Leben, als ihn der plötzliche Tod seines besten Freundes aus all seinen Sicherheiten reißt. Er spürt einerseits den ganz starken Wunsch, glauben zu können – an eine „Macht, die den Dingen Sinn gibt, auch den schrecklichen Dingen.“ Andererseits hat er sich vom religiösen Glauben seiner Kindertage längst ganz weit entfernt. Und in seiner Alltagswelt findet seine Sehnsucht nach Glauben kaum einen Ansatzpunkt. Als Modekritiker bei einem Zeitungs-Magazin beschäftigt er sich vor allem mit Äußerlichkeiten, mit schnelllebigen Trends, und er bewegt sich überwiegend unter Menschen, die von sich sagen, nicht zu glauben, nicht glauben zu können. Tillmann Prüfer begibt sich also auf eine Suche nach Möglichkeiten, den Glauben vielleicht doch auch für sich selbst finden zu können.

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Ein persönlicher Weg zum Glauben

Er schildert in diesem Buch seinen Weg, der ihn langsam und nicht immer in der erwarteten Weise, aber doch immer näher hinführt zu der Faszination, die der Glaube für einen Menschen bedeuten kann. Es beginnt mit ersten Besuchen in der Kirche zum Gottesdienst einer scheinbar hoffnungslos überalterten und unweigerlich schrumpfenden evangelischen Gemeinde in Berlin – die ihm aber doch ein ungekanntes Gefühl von Heimat gibt. Es geht weiter mit einem Aufenthalt in einem Südtiroler Kapuzinerkloster, wo ihn die einfache und geregelte Lebensweise fasziniert, die aber für einen Familienvater so natürlich unerreichbar bleibt. Schließlich eine Israelreise zu den Ursprüngen des jüdisch-christlichen Glaubens, wo die religiösen Konflikte im Heiligen Land in ihm allerdings vor allem die Erkenntnis wecken, dass ein allzu fester Glaube auch seine Probleme mit sich bringen kann…

Ohne Angekommensein, mit Zweifeln und noch mehr Trost

Es ist ein Weg, der am Ende des Buches noch lange nicht zu Ende ist – und sicherlich auch ein ganzes Leben lang nicht an ein Ende kommen wird, bleiben manche Zweifel doch ein lebenslanger Begleiter für jeden Glaubenden, wie Prüfer nach einiger Zeit mit einer gewissen Erleichterung feststellt. Auch ist er sich inzwischen sicher, dass der Glaube dem Wissen und der Wissenschaft nicht feindlich gegenübersteht, eher im Gegenteil: „die Ablehnung des Glaubens ist nicht nur trostlos, sie ist dem Glauben keineswegs intellektuell überlegen oder reflektierter“, wie Prüfer schreibt.

Natürlich kann auch der Glaube nicht bewiesen werden, doch ist es wichtig, dass ihm auf der Vernunftebene zumindest keine schlagenden Argumente entgegenstehen – und so fasst Tillmann Prüfer ziemlich am Schluss des Buches „zehn gute Gründe für den Glauben“ zusammen, die schließlich in der Alternative gipfeln: Es gibt nur den Sinn oder die Sinnlosigkeit. So kann Prüfers eigenes „Glaubensbekenntnis“, das er in einem Gottesdienst vor der Gemeinde vorträgt, ebenso offen wie konsequent formulieren: „Ich glaube, denn ich will glauben. Ich finde die Vorstellung, dass die Welt, in der wir leben, nur Zufall und Chaos ist, zu trostlos, als dass ich sie für wahr halten könnte. Ich glaube, dass es einen Sinn gibt, einen Sinn, in dem wir alle geborgen sind. Einen Sinn, der höher ist als all das, was wir begreifen können.“

Bei allem Tiefgang ist das sehr persönliche und mutige Buch auch humorvoll geschrieben, dazu – wie man es von einem Journalisten erwarten darf – auch äußerst lebendig, spannend und unterhaltsam, so dass es zweifellos ganz viele Leser/innen anzusprechen vermag.    (Sankt Michaelsbund)

 

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GÜTERSLOHER VERLAGSHAUS, 2018
Gebunden, 192 S.

ArtikelNr.: 90-346867
ISBN/EAN: 9783579087061

18,00 €

inkl. MwSt.

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