RDA - Resource Description and Access

Neues bibliothekarisches Regelwerk löst die Regeln für die alphabetische Katalogisierung (RAK) ab

RDA steht für "Resource Description and Access". Es handelt sich dabei um ein international ausgerichtetes bibliothekarisches Regelwerk zur Erschließung von sowohl analogen als auch digitalen Ressourcen, welches in den deutschen Bibliotheken Einzug hält.
Als Büchereidienstleister und beratender Fachverband streben wir die Einhaltung der bibliothekarischen Standards an. Dabei ist eine für unsere Mitgliedsbüchereien geeignete und sinnvolle Realisierung dieser Prozesse wichtig. Wir möchten Ihnen das neue Regelwerk RDA kurz vorstellen und darüber informieren, was sich für Sie in der Büchereipraxis ändert.

Warum ein neues Regelwerk?

Die Regeln für die Alphabetische Katalogisierung (RAK) sind nicht mehr zeitgemäß und in erster Linie auf Zettelkataloge abgestimmt. Mittlerweile erfolgt die Erfassung in den Büchereien zumeist mit modernen Bibliothekssystemen und Leserinnen und Leser recherchieren bequem von daheim aus in den Online-Katalogen ihrer Bücherei vor Ort. Die Darstellung der Daten und auch das Suchverhalten der Nutzer hat sich sehr gewandelt. Eine Änderung bei den Erschließungsstandards zur Beschreibung der Medienbestände und ein flexibler Rahmen, den verschiedenen Anforderungen gerecht zu werden, ist daher notwendig.

Was ist so besonders an RDA?

Es gibt nun ein Regelwerk für alle Medienarten. Eine wichtige Grundlage von RDA ist ein theoretisches Datenmodell, die sog. "Funktionalen Anforderungen an bibliografische Datensätze" (Functional Requirements of Bibliographic Records, kurz: FRBR). Das heißt, das Regelwerk RDA geht ganz von der Sicht des Nutzers aus. In Heidrun Wiesenmüllers Titel "Basisswissen RDA" ist zu lesen: "Welche Informationen müssen bibliografische Datensätze enthalten, um die Nutzer bestmöglich bei ihren Aufgaben zu unterstützen? [...] Nutzer möchten Dinge finden, identifizieren, auswählen und Zugang zu ihnen erhalten." Durch das konsequente Denken vom Rechercheverhalten und Verständnis des Lesers her wird der Katalogisierungsarbeit eine neue Logik zugrunde gelegt.

Was heißt das für die Büchereipraxis?

Wir treffen in den RDA auf neue Terminologien und Begrifflichkeiten, an die wir uns gewöhnen müssen. Der "Verfasser" wird zum "Geistigen Schöpfer" (kann neben dem Autor bspw. auch ein Komponist, Illustrator usw. sein), "Sonstige Personen" werden zu "Mitwirkenden" , "Fußnote" wird zu "Anmerkungen" , "Hauptsachtitel" wird zu "Haupttitel". In RDA werden viele Angaben nun übertragen, d.h. Informationen werden so aus der Vorlage übernommen, wie sie dort stehen. Es wird nicht mehr abgekürzt. Es gibt sog. Kernelemente, die man nach RDA immer erfassen muss. Dazu gehört bspw. der Haupttitel. Zusatzelemente, wie bspw. der Titelzusatz, werden ebenso erfasst. Das macht die Katalogisierungspraxis um ein vielfaches einfacher. In RDA heißt es jetzt zum Beispiel "circa 127 Seiten : Illustrationen" an Stelle wie bisher in RAK üblich "ca. 300 S. : Ill."

Anpassung der Bibliothekssoftware - Veränderung in der Erfassung

Die zu erfassenden Felder in RDA müssen in den Bibliothekssystemen abgebildet werden können. Die meisten Bibliothekssoftwarefirmen arbeiten an einer Anpassung der Bibliothekssysteme an das Austauschformat MARC21 bzw. einer Katalogisierung nach RDA. Mit den Updates Ihrer Software sind diese mitunter schon abgebildet bzw. können frei geschaltet werden (BibliothecaPlus). Für Büchereien ändern sich z.T. die Ansichten der Erfassungsmasken in den Bibliothekssystemen, zum Teil auch die Terminologie sowie Import-/Exportfunktionen.
Bisherige Katalogisate bleiben unverändert und müssen nicht noch einmal neu aufgenommen oder angepasst werden.

Die Herausforderung in der Katalogisierung nach dem neuen Regelwerk liegt für uns als Dienstleister darin, eine für einheitliche Festlegung für die Katalogisierung zu entwickeln, da ein wesentliches Merkmal der RDA in der Möglichkeit des "cataloger's judgement" liegt. Was heißt das? Die katalogisierende Einrichtung bzw. Bücherei kann neben den schon erwähnten Kern- und Zusatzelementen, die erfasst werden müssen, Angaben in eigenem Ermessen vornehmen. Dies birgt die Gefahr großer Heterogenität der Datensätze. Deshalb werden wir in enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern in die weitere Planungsarbeit für verbindliche Katalogisierungsstandards für unsere Mitgliedsbüchereien gehen.

Diese Arbeiten werden voraussichtlich bis Ende 2019 abgeschlossen sein.

Neues Regelwerk, neues Datenaustauschformat – von MAB zu MARC21

Ganz wichtig ist die Unterscheidung zwischen Regelwerk und Austauschformat. Die RDA legen fest, welche Teile zu erschließen sind. Damit die technische Übermittlung der Daten in die Systeme und auch der Austausch der Daten zwischen den Bibliotheken reibungslos verlaufen kann, werden auf Basis des jeweiligen Regelwerks Kategorien als Austauschformat festgelegt. Für die RDA ist es das Format MARC 21 (Machine-Readable Cataloging), ein Standard für die "Repräsentation und den Tausch von Daten in maschinenlesbarer Form" (Deutsche Nationalbibliothek).

Mit dem Umstieg auf ein neues Regelwerk ändert sich auch das Austauschformat. Die sog. "MAB-Daten", das Maschinelle Austauschformat für Bibliotheken, wird es nicht mehr geben. Stattdessen erfolgt die Datenlieferung im sog. "MARC21-Dateiformat".

Katalogisate, die Sie bisher vom Sankt Michaelsbund beziehen, liegen aktuell im MAB2-Format vor. Der Download der Katalogdaten erfolgt dazu bequem über Ihr Login im Online-Shop. An der technischen Umsetzung zur Bereitstellung der Katalogdaten im MARC21-Format und Darstellung auf der Katalogkarte, wenn keine Bibliothekssoftware im Einsatz ist, wird im Haus gearbeitet.

Programmupdates nötig! Das müssen Sie in 2019 tun!

Bitte sorgen Sie dafür, sofern Sie nicht automatisch Programmupdates Ihres Softwarehauses erhalten, dass Sie regelmäßige Updates beziehen, so dass der Datenimport von MARC21-Daten ermöglicht werden kann. Wir empfehlen unbedingt den Abschluss eines dauerhaften Update- bzw. Softwarepflege-Vertrages! Und das nicht nur wegen des Datenimports. Auch die Änderungen im Datenschutz (seit Mai 2018) machen es unbedingt nötig, dass Sie als Bücherei die entsprechenden (technischen) Maßnahmen ergreifen, um den neuen Anforderungen an den Datenschutz gerecht zu werden. Und dazu gehören - Sie arbeiten mit personen bezogenen Daten! - unbedingt auch aktuelle Programmversionen.
Haben Sie noch keinen Pflege- zw. Update-Vertrag abgeschlossen, lassen Sie sich von Ihrem Softwarehaus bitte ein entsprechendes Angebot unterbreiten und kontaktieren dann bitte Ihre/n Träger, um die Mittel zur Bereitstellung in diesem Jahr zu beantragen. Ihre Diözesanstelle steht Ihnen gerne zur Seite.

Einzelkäufe von Updates sind zwar möglich, diese kosten aber letztlich mehr und Sie profitieren nicht von weiteren Updates, die in den kommenden Jahren folgen. Und an dem neuen Regelwerk bzw. der Darstellung in der EDV wird regelmäßig gearbeitet, so dass Folgeupdates sicher nötig werden. Denken Sie daran, die Hardwarevoraussetzungen mit zu erfragen. Ggf. müssen Sie im Einzelfall nachrüsten! Wenn Sie andere Programme einsetzen, erkundigen Sie sich bitte bei Ihrem Softwarehaus hinsichtlich der Flexibilität der Formate MARC21 und MAB2 und erfragen die Darstellung der Benutzeroberfläche.

MAB-Daten aus dem Online-Shop werden von MARC21 abgelöst!

Nach Rücksprache mit den Softwarehäusern OCLC, datronic, Fleischmann Software Vertriebs-GmbH und IBTC, die bereits die Erfassung nach RDA sowie den Datenimport von MARC21-Daten ermöglichen, ist nach wie vor der Import von MAB-Daten möglich. Das heißt, dass Sie nach wie vor Ihre "MAB-Daten", die über den Sankt Michelsbund bezogen werden, in Ihre Programme importieren können.

Beachten Sie bitte: nach erfolgtem Umstieg auf das neue Austauschformat MARC21 Anfang 2020 werden ausschließlich Daten in diesem Format vom Sankt Michaelsbund ausgeliefert.

(Artikel bearbeitet am 17.01.2019 von E. Straube)

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