Online-Fernleihe

Mitgliedsbüchereien des Sankt Michaelsbund haben die Möglichkeit, Titel, die vor Ort nicht vorhanden sind, innerhalb des Bibliotheksverbundes Bayern (BVB) zu bestellen. Ebenso können Kopien aus Fachzeitschriften bestellt werden.

Angleichung des Urheberrechts - Änderungen in der Fernleihe ab 1.3.2018

Am 1. März 2018 trat das Gesetz zur Angleichung des Urheberrechts an die aktuellen Erfordernisse der Wissensgesellschaft (UrhWissG). Zu diesem Datum werden die meisten der bislang auf Bildung und Wissenschaft bezogenen Normen (Schranken) des Urheberrechts, die die §§ 52a, 52b und 53a durch neue Regelungen ersetzt und gelten zunächst für die kommenden 5 Jahre.

Das Gesetz regelt neu, welche urheberrechtlichen Nutzungshandlungen im Bereich Bildung und Wissenschaft gesetzlich erlaubt sind, ohne dass es einer Zustimmung der Urhebers und sonstiger Rechtsinhaber bedarf. Es geht beispielsweise also um die Nutzung von urheberrechtlich geschützten Texten, Bildern und Filmen in Schulen, Universitäten und auch in Bibliotheken.

Was hat die Gesetzesnovelle nun für Auswirkungen für die tägliche Praxis von Bibliotheken in der Fernleihe? Es gibt einige Details, die sich ändern werden, wobei sich manche Veränderungen auch erst nach und nach einstellen. Die AG Fernleihe an der Bayerischen Staatsbibliothek gibt hierzu wertvolle Hinweise und informierte entsprechen im Rahmen des Bayerischen Fernleihtreffens am 28. Februar 2018 in München.

WICHTIG:

Der wichtigste Fortschritt ist, dass es nun möglich ist, eine Fernleihekopie direkt als Datei an den Benutzer auszuliefern. Die Belieferung an den Besteller durch die Bücherei kann aber erst nach Abschluss des Gesamtvertrages Kopiendirektversand mit der VG Wort umgesetzt werden. Dies kann noch einige Monate dauern.

Bis dahin gilt wie bisher: Die Bücherei gibt eine Papierkopie an den Besteller aus!

WIR MÜSSEN WISSEN, DASS:

  • der Leser aus Monografien max. 10% als Kopie geliefert bekommen darf (bisher "geringe Teile" bzw. bis max. 15%); andernfalls wird versucht, das ganze Buch auszuleihen bzw. wird die Bestellung mit dem Hinweis auf das geltende Urheberrecht von der gebenden Bibliothek storniert.
  • der Leser keine Kopien aus Zeitungen und Kioskzeitschriften mehr erhält (Eine Liste soll durch die VG Wort erstellt werden; liegt jedoch noch nicht vor); ggf. auf Verlagsangebote verweisen
  • sichergestellt sein muss, dass der Leser eine Kopienlieferung nicht zu kommerziellen Zwecken nutzt

WAS MÜSSEN SIE TUN?

Vor bzw. bei der Bestellung muss sichergestellt werden, dass eine kommerzielle Nutzung (= kein Erwerbszeck) ausgeschlossen ist. Andernfalls können Sie für den Leser keine Bestellung absetzen.  Alle Bibliotheken müssen diese Zusicherung durch den Benutzer gleichermaßen zwingend ab 01.03.2018 umsetzen. Die bestellende Bibliothek muss also mit ihren Benutzer geklärt haben, dass dieser nicht zu kommerziellen Zwecken bestellt. Da viele Bibliotheken eigene Bestellformulare für Fernleihbestellungen haben, sollte sich in diesen Fällen ein solches Häkchenfeld leicht in das Formblatt zusätzlich einfügen lassen.

Folgender Wortlaut zur Selbstauskunft des Nutzers wird vorgeschlagen:

"Ich versichere, dass ich die bestellte/n Kopie/n nicht zu kommerziellen Zwecken verwende."

Derzeit wird juristisch geprüft, in welcher Form diese Zusicherung vorliegen und ggf. dokumentiert werden muss. Bis hier eine eindeutige Klärung vorliegt, sichern Sie sich mit der Unterschrift des bestellenden Nutzers bitte ab und verwahren das unterschriebene Formblatt zunächst auf.

Kopienlieferungen aus eBooks

Erlaubt ist die Lieferung von eBooks und Kapiteln daraus nur, wenn es der Lizenzvertrag ausdrücklich erlaubt. Hierüber haben die gebenden Bibliotheken einen entsprechenden Überblick über ihre Administrationsoberflächen. Wenn die "Ausleihe" eines eBooks erlaubt ist, können natürlich auch die einzelnen Artikel über die Fernleihe geliefert werden. Der Umfang ist hier dabei irrelevant. Es kann eine Direktlieferung an den Nutzer erfolgen. Erlaubt der Lizenzvertrag nur die Lieferung einzelner Kapitel, können diese unabhängig von der Seitenzahl geliefert werden. Die Auslieferung kann gedruckt oder als PDF erfolgen, je nach bestehendem Lizenzvertrag.

Andernfalls erhält die bestellende Bibliothek wieder eine informierende eMail!

Die Auslieferung von Kopien an den Benutzer

Ab dem 1.3.2018 kann ein Benutzer auf Grund seiner Kopienbestellung wie folgt beliefert werden:

  • wie bisher auch die Papierkopie (bspw. bei Lieferung aus einem e-Journal bzw. als Ausdruck durch die Bücherei vor Ort)
  • eine eMail mit dem Zugang zum bestelten Aufsatz als Datei (Weiterleitung durch die Bücherei), aber erst, wenn die Verhandlungen mit der VG Wort zur Vergütung abegschlossen sind!

Verrechnung von Gebühren - Staffelpreise entfallen, Schutzgebühr 1,50 € möglich!

NEU! Kopienlieferungen über 40 Seiten werden innerhalb Bayerns nicht mehr zwischen den Bibliotheken verrechnet. Bisher galten bestimmte Staffelpreise! Kosten, die nicht entstehen, dürfen also nicht an den Besteller umgelegt werden.

Die Büchereien entscheiden in Abstimmung mit dem Unterhaltsträger, ob eine Schutzgebühr pro Kopienbestellung in Höhe von 1,50 € eingenommen werden kann/soll. Sollte in Zukunft bspw. die Direktlieferung per eMail an den Nutzer möglich sein, entstehen der Bücherei keine Kosten. Auf die Einnahme der Schutzgebühr könnte verzichtet werden. Bei einem Papierausdruck vor Ort kann überlegt werden, die Schutzgebühr zu erheben, da Ressourcen (Papier, Toner) genutzt werden, die auf den Besteller umgelegt werden können. Denken Sie bitte an den Verwaltungsaufwand, die Gebühren einzunehmen.


Teilnahme

Jede Bücherei kann an der Online-Fernleihe teilnehmen. Voraussetzung ist ein entsprechendes Bestellvolumen durch Ihrer Benutzerinnen und Benutzer, ein Internetzugang, eine Lieferadresse für die gesicherte Zustellung an Werktagen und das Vorhandensein einer eMail-Adresse der Bücherei (ausschließlich Funktions-eMail-Adressen ohne Personenbezug werden akzeptiert).

Haben Sie nur sehr wenige Anfragen seitens Ihrer Nutzerinnen und Nutzer und es befindet sich bereits eine Bücherei am Ort, die bereits an der Online-Fernleihe teilnimmt, sprechen Sie sich bitte ab. Ihre Diözesanstelle hat ebenfalls die Möglichkeit der Online-Fernleihe und bestellt gerne für Sie.

Erfüllen Sie die Voraussetzungen, müssen Sie die Bücherei nur noch registrieren lassen, um einen Zugang zum Zentralen Fernleih-Server (ZFLS) zu erhalten.

Ihre Ansprechpartner

Haben Sie Fragen zur Online-Fernleihe oder möchten Sie einen Zugang beantragen? Dann wenden Sie sich bitte an Elisabeth Kreutzkam, Tel.: 089 / 23225-552 bzw. auch gerne per eMail. Möchten Sie eine Bestellung über Ihre Diözesanstelle tätigen oder benötigen Hilfe bei Ihrer Bestellung, sind die Kolleginnen und Kollegen vor Ort für Sie da.

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