RDA - Resource Description and Access

Neues bibliothekarisches Regelwerk lösen die Regeln für die alphabetische Katalogisierung (RAK) ab

RDA steht für "Resource Description and Access". Es handelt sich dabei um das neue international ausgerichtete bibliothekarische Regelwerk zur Erschließung von sowohl analogen als auch digitalen Ressourcen, welches nach und nach in den deutschen Bibliotheken Einzug hält.
Als Büchereidienstleister und beratender Fachverband streben wir die Einhaltung der bibliothekarischen Standards an. Dabei ist eine für unsere Mitgliedsbüchereien geeignete und sinnvolle Realisierung dieser Prozesse wichtig. Wir möchten Ihnen das neue Regelwerk RDA kurz vorstellen und darüber informieren, was sich für Sie in der Büchereipraxis ändert.

Warum ein neues Regelwerk?

Die Regeln für die Alphabetische Katalogisierung (RAK), nach denen bisher überwiegend katalogisiert wird, entstanden in den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Sie sind jedoch nicht mehr zeitgemäß und in erster Linie auf Zettelkataloge abgestimmt. Mittlerweile erfolgt die Erfassung in den Büchereien zumeist mit modernen Bibliothekssystemen, Leserinnen und Leser recherchieren bequem von daheim aus in den Online-Katalogen ihrer Bücherei vor Ort. Die Darstellung der Daten und auch das Suchverhalten der Nutzerinnen und Nutzer hat sich sehr gewandelt. Eine Änderung bei den Erschließungsstandards zur Beschreibung der Medienbestände und ein flexibler Rahmen, den verschiedenen Anforderungen gerecht zu werden, schien daher notwendig. Bereits im Jahr 2001 gab eines Beschluss des Standardisierungsausschusses, dem überregionalen Koordinierungsgremium zur Sicherstellung von einheitlichen Standards für die Erschließung in Bibliotheken, dass grundsätzlich ein Umstieg auf ein internationales Regelwerk und Austauschformat angestrebt wird. Dieser wurde dann 2012 endgültig gefasst.

Was ist so besonders an RDA?

Die RDA berücksichtigen neue Publikationsformen, Informationsumgebungen und -technologien. Es gibt nun ein Regelwerk für alle Medienarten. Eine wichtige Grundlage von RDA ist ein theoretisches Datenmodell, die sog. "Funktionalen Anforderungen an bibliografische Datensätze" (Functional Requirements of Bibliographic Records, kurz: FRBR). Das heißt, das Regelwerk RDA geht ganz von der Sicht des Nutzers aus. In Heidrun Wiesenmüllers Titel "Basisswissen RDA" ist zu lesen: "Welche Informationen müssen bibliografische Datensätze enthalten, um die Nutzer bestmöglich bei ihren Aufgaben zu unterstützen? [...] Nutzer möchten Dinge finden, identifizieren, auswählen und Zugang zu ihnen erhalten." Durch das konsequente Denken vom Rechercheverhalten und Verständnis des Lesers her wird der Katalogisierungsarbeit eine neue Logik zugrunde gelegt.

Was heißt das für die Büchereipraxis?

Wir treffen in den RDA auf eine neue Terminologie und Begrifflichkeiten, an die wir uns gewöhnen müssen. Der "Verfasser" wird zum "Geistigen Schöpfer" (kann neben dem Autor bspw. auch ein Komponist, Illustrator usw. handeln), "Sonstige Personen" wird zu "Mitwirkende" , "Fußnote" wird zu "Anmerkungen" , "Hauptsachtitel" wird zu "Haupttitel". In RDA werden viele Angaben nun "übertragen", d.h. Informationen werden so aus der Vorlage übernommen, wie sie dort stehen. Es wird nicht mehr abgekürzt. Es gibt sog. Kernelemente, die man nach RDA immer erfassen muss. Dazu gehört bspw. der Haupttitel. Zusatzelemente, wie bspw. der Titelzusatz, werden ebenso erfasst. Das macht die Katalogiserungspraxis um ein vielfaches einfacher. In RDA heißt es jetzt zum Beispiel "circa 127 Seiten : Illustrationen" an Stelle wie bisher in RAK üblich "ca. 300 S. : Ill."

Neues Regelwerk, neues Datenaustauschformat – von MAB zu MARC21

Mit dem Umstieg auf ein neues Regelwerk ändert sich auch das Austauschformat. Die sog. "MAB-Daten", das Maschinelle Austauschformat für Bibliotheken, wird es nicht mehr geben.

Ganz wichtig ist die Unterscheidung zwischen Regelwerk und Austauschformat. Die RDA legen fest, welche Teile zu erschließen sind. Damit die technische Übermittlung der Daten in die Systeme und auch der Austausch der Daten zwischen den Bibliotheken reibungslos verlaufen kann, werden auf Basis des jeweiligen Regelwerks Kategorien als Austauschformat festgelegt. Für die RDA ist es das Format MARC 21 (Machine-Readable Cataloging), ein Standard für die "Repräsentation und den Tausch von Daten in maschinenlesbarer Form" (Deutsche Nationalbibliothek)

Katalogisate, die Sie bisher vom Sankt Michaelsbund beziehen, liegen bisher im MAB2-Format vor. Der Download der Katalogdaten erfolgt dazu bequem über Ihr Login im Online-Shop. An der technischen Umsetzung zur Bereitstellung der Katalogisatdaten in maschinenlesbarer Form und auch auf der Katalogkarte, wenn keine Bibliothekssoftware im Einsatz ist, wird im Haus gearbeitet.

Anpassung der Bibliothkessoftware - Veränderung in der Erfassung

Die zu erfassenden Felder in RDA müssen in den Bibliothekssystemen abgebildet werden können. Die meisten Bibliothekssoftwarefirmen arbeiten an einer Anpassung der Bibliothekssysteme an das Austauschformat MARC21 bzw. einer Katalogisierung nach RDA. Für Büchereien ändern sich z.T. die Ansichten der Erfassungsmasken in den Bibliothekssystemen, zum Teil auch die Terminologie sowie Import-/Exportfunktionen.
Bisherige Katalogisate, die von Ihnen katalogisiert wurden oder die Sie bezogen haben, bleiben unverändert und müssen nicht noch einmal neu aufgenommen oder angepasst werden.

Die Herausforderung in der Katalogisierung nach dem neuen Regelwerk liegt für uns als Dienstleister darin, eine für einheitliche Festlegung für die Katalogisierung zu entwickeln, da ein wesentliches Merkmal der RDA in der Möglichkeit des "cataloger's judgement" liegt. Was heißt das? Die katalogisierende Einrichtung bzw. Bücherei kann neben den schon erwähnten Kern- und Zusatzelementen, die erfasst werden müssen, Angaben in eigenem Ermessen vornehmen. Dies birgt die Gefahr großer Heterogenität der Datensätze. Deshalb werden wir in enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern in die weitere Planungsarbeit für verbindliche Katalogisierungsskripten für unsere Büchereien gehen.

Programmupdates nötig!

Bitte kümmern Sie sich, sofern Sie nicht automatisch Programmupdates erhalten, um einen frühzeitigen Bezug der notwendigen Updates im kommenden Jahr, so dass der Datenimport von MARC21-Daten ab ermöglicht werden kann. Wir empfehlen unbedingt den Abschluss eines Update- bzw. Softwarepflege-Vertrages! Haben Sie noch keinen Vertrag abgeschlossen, lassen Sie sich von Ihrem Softwarehaus zunächst ein entsprechendes Angebot machen und kontaktieren dann bitte Ihre/n Träger, um die Mittel zur Bereitstellung zu beantragen.

Einzelkäufe von Updates sind zwar möglich, diese kosten aber mehr und Sie profitieren nicht von weiteren Updates, die in den kommenden Jahren folgen. Denken Sie daran, die Hardwarevoraussetzungen mit zu erfragen. Ggf. müssen Sie im Einzelfall nachrüsten! Wenn Sie andere Programme einsetzen, erkundigen Sie sich bitte bei Ihrem Softwarehaus hinsichtlich der Flexibilität der Formate MARC21 und MAB2 und erfragen die Darstellung der Benutzeroberfläche und nach der verwendeten neuen Terminologie in RDA. Von Bedeutung sind auch die möglichen Import- und Exportfunktionen des Programms.

MAB-Daten aus dem Online-Shop können nach wie vor importiert werden!

Nach Rücksprache mit den Softwarehäusern datronic, Fleischmann Software Vertriebs-GmbH und IBTC ist nach wie vor der Import von MAB-Daten möglich; bekannte Importformate bleiben zunächst bestehen. Das heißt, dass Sie nach wie vor Ihre "MAB-Daten", die über den Sankt Michelsbund bezogen werden, importieren können, auch wenn mit den künftigen Updates bereits die RDA Einzug halten werden.

Schulungsangebote

Um den bibliothekarischen Anforderungen gerecht zu werden, wird es entsprechende Schulungsangebote für die Büchereien auf Grundlage der definierten Standards geben, die selber katalogisieren möchten. Zu Ihrer Beruhigung: Die Katalogisierungsmasken Ihrer Bibliothekssoftware werden jedoch so aufgebaut sein, dass Sie diese auch ohne intensive Regelwerkskenntnisse ausfüllen können.

Lesen Sie über die aktuellen Entwicklungen auch in:

Fischer, Gabriele: Neue Medienkatalogisierung : RDA - zum Stand der Dinge / Von Gabriele Fischer. // In: BiblioTheke: Zeitschrift für katholische Bücherei- und Medienarbeit. - Borromäusverein e.V. : Bonn. - Heft 1. 2018. - S. 34-35.

Download Heft 1. 2018

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