Jahresthema 2017/2018

Auf den ersten Blick liegt der "Raum für Begegnung" zunächst ganz nahe beim "Treffpunkt Bücherei", dem zentralen Thema der beiden zurückliegenden Jahre. Das ist auch richtig so und durchaus "im Sinne der Erfinder", da die jeweiligen Jahresthemen durchaus nachwirken sollen. Im Fokus des neuen Schwerpunkts liegt der Begriff "Ort", das heißt, dass sich die Anstrengungen der Büchereien, der Diözesanstellen und des Verbandes gezielt auf die räumliche Unterbringung der Büchereien konzentrieren sollten, sowohl die Raumgröße wie auch die Raumqualität betreffend.

Seit vielen Jahren stehen nicht mehr die Bücher im Zentrum der bibliothekarischen Arbeit, sondern die Menschen, die BüchereibesucherInnen

Öffentliche Büchereien sind zu Treffpunkten geworden, in fast allen Büchereien finden als ganz selbstverständlicher Teil der Programmarbeit Veranstaltungen für Kinder wie für Erwachsene statt. Es gibt Literaturkreise für erfahrene Leser ebenso wie Deutschkurse für unsere neuen Mitbürger, also genügend Raum für Begegnungen. Das wissen alle BüchereibesucherInnen und -mitarbeiterInnen, eher selten die Pfarrer und die Bürgermeister und ihre Räte - und noch weniger die meisten Architekten, deren erste Frage bei Büchereiplanungen fast immer noch die nach der Zahl der unterzubringenden Medien und nicht die nach den notwendigen "Verkehrsflächen".

In vielen kleinen Gemeinden sind im Verlauf der letzten Jahrzehnte die "konkret betretbaren" Orte immer rarer geworden: Die Dorfwirtshäuser sind ausgestorben oder zu Restaurants mutiert, in denen man sich in eher kleinem und vertrauten Kreis zum Essen trifft. Die kleinen "Tante-Emma-Läden" im Ortszentrum sind verschwunden, dafür stehen am Ortsrand die üblichen Einkaufszentren, die meist nur noch mit PKWs zu erreichen sind. An diese Ränder sind oft auch die Schulen verbannt worden. Dafür haben viele Gemeinden und Kleinstädtchen für viel Geld "neue Ortszentren" geschaffen, aus denen im Lauf der Jahre auch schon wieder die Arztpraxen oder die Postämter verschwunden sind.

Allmählich regen sich aber Initiativen, etwa beim Leerstandsmanagement der Gemeinde-Allianz Hofheimer Land e.V. in Unterfranken. Hier wird gezielt und auch finanziell unterstützt versucht, die Ortskerne zu revitalisieren. Warum werden denn in einem Flächenstaat nur in so wenigen leerstehenden Häusern oder Geschäften Büchereien untergebracht? Natürlich kostet das Geld, sind oft, aber nicht immer aufwändige Renovierungs- oder Umbaumaßnahmen erforderlich, aber kaum eine öffentliche Einrichtung kann auf so viele Besucher verweisen wie die öffentliche Bücherei und damit erlebbar zu einer tatsächlichen Ortszentrumsbelebung beitragen. Und das funktioniert in allen Ortsgrößen, beim Umbau eines Schleckermarkts in Kirchheim b.M. ebenso wie bei der aufwändigen Umgestaltung eines großen Kaufhauses zur Stadtbibliothek Bayreuth. Tatsächlich gab und gibt es einige bemerkenswerte Baumaßnahmen im kommunalen Bereich, dagegen ziehen sich die Pfarreien immer mehr zurück.

Die Landesfachstelle und die Diözesanstellen bieten den Büchereien, aber auch den kirchlichen oder kommunalen Büchereiträgern, gerne die Unterstützung vor Ort an, egal ob es um erste "tastende" Gespräche über mögliche Verbesserungen der räumlichen Situation, um die Erstellung von Kostenschätzungen oder schon um die planerische Mithilfe bei bereits genehmigten Renovierungsmaßnahmen in den "alten" Büchereiräumen geht.

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