Statistik

Jahresstatistik 2019 - Erfolgsbilanz und Trendbestätigung

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Bibliotheken zählen!

Ihre Bibliotheksstatistik liefert wertvolle Daten zur eigenen Leistungsanalyse der Bücherei und zum Leistungsvergleich mit anderen Büchereien. Die Anfertigung der Statistik ist keine lästige Pflicht, sondern bietet die Möglichkeit, dem/den Träger/n sowie der Öffentlichkeit die eigene Arbeit des vergangenen Jahres vorzustellen und so auch die eigenen Leistungen zu dokumentieren, Ziele zu setzen und Büchereiarbeit planvoll und professionell zu betreiben. Ihre Zahlen liefern Ihnen fundierte Argumente! Wir bedanken uns bei allen Büchereileiter:innen und denjenigen, die mit der Jahresstatistik betraut sind, für ihren Einsatz und das Engagement, die Zahlen zusammen zu stellen.

Öffentliche Büchereien haben ihre Rolle als Lager und Ausleihstelle von Büchern und Medien aller Art schon längst verloren, dafür nehmen sie immer mehr den Charakter von Kultur- und Begegnungszentren an. Viele inzwischen selbstverständliche Angebote bzw. Leistungen öffentlicher Bibliotheken sind quantitativ nicht messbar und in einer "Bilanz" daher auch nicht griffig darstellbar.

Büchereien sind inzwischen oft die einzigen konkret erfahrbaren, niederschwelligen Orte, in denen sich Menschen unabhängig von Alter und Bildungsgrad auf Augenhöhe begegnen können.

VERANSTALTUNGEN UND BESUCHE

Dies zeigt die weiterhin sehr beeindruckende Anzahl an Veranstaltungen (22.684), die gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg von 2,5% aufweisen. 42,3% entfallen auf Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche, Veranstaltungen für Erwachsene machen 12,3% der Angebote aus. Die besonders enge Zusammenarbeit der Büchereien mit Kindergärten und Schulen macht sich vor bei der hohen Anzahl der Einführungen in die Benutzung der Bücherei bemerkbar, auf die 24,5% des gesamten Angebots entfallen. 21% entfallen auf Veranstaltungen für alle Altersgruppen und Ausstellungen.

11.976 engagierte Frauen und Männer, davon arbeiten 96% ehrenamtlich in der Bücherei, sorgen bayernweit für die Literaturversorgung und einen lebendigen Treffpunkt für die Bürger:innen am Ort und das mit 24.649! Arbeitsstunden in der Woche.

5.287.298 Besuche sind im vergangenen Jahr die 1.017 Büchereien im Betreuungsgebiet des Sankt Michaelsbundes verzeichnet worden. Die Menschen sind gekommen, um an einer Veranstaltung teilzunehmen, etwas auszuleihen oder einfach in den Räumlichkeiten zu verweilen. Dies ist ein nochmaliger Anstieg von 1,2% gegenüber dem Vorjahr und ein Plädoyer für unser Jahresthema 2019/2020 "Treffpunkt Bücherei-Fokus Mensch".

Zum Vergleich: die 18 Vereine der 2. Fußball-Bundesliga hatten in ihrer Spielzeit 2018/2019 zusammen 4.370.468 Zuschauer:innen! (Quelle: kicker.de)

BESTAND UND ENTLEIHUNGEN

Die wesentlichen Erfolgsindikatoren der Kerndaten bei Bestands- und Entleihzahlen haben sich stabilisiert. Die Bemühungen der Büchereien, ihre Bestände weiter zurückzubauen und mehr Platz in den Regalen zu schaffen, machen sich auch in diesem Jahr bemerkbar. Die Zahl der Entleihungen (13.383.617) liegt seit Jahren auf einem hohen Niveau. Das Rennen machen hier das Kinderbuch und das Kindersachbuch mit einem Entleihanteil von 43,4%. Auf Romane und Jugendbücher entfallen 20,3%, gefolgt von den Tonträgern mit 10%. Entleihungen gedruckter Zeitschriften machen 5% aus.

Die Entleihungen der eMedien über die Onleihe haben den größten Anstieg zum Vorjahr zu verzeichnen. Der Anteil beträgt in diesem Jahr 6,5% (2018: 5,6%). Dafür gibt es mehrere Gründe. An allererster Stelle steht sicher das geänderte Mediennutzungsverhalten der Bevölkerung. Es muss nicht weiter ausgeführt werden, wie das www, Smartphones und die diversen Social Media Dienste unseren Alltag verändert haben. Die Onleihe von eBooks, elektronischen Zeitschriften, Hörbüchern oder eLearning-Angeboten gehört inzwischen schon zum Standard öffentlicher Büchereien und beschränkt sich keineswegs mehr auf nur "große Bibliotheken".

Gerade für kleine Büchereien mit eingeschränkten Öffnungszeiten gibt es einen handfesten Grund, sich einem Onleihe-Verbund anzuschließen, nämlich die "24/7-Nutzung" eines Teils des Büchereiangebots, das im wahrsten Sinn des Wortes rund um die Uhr und an sieben Tagen in der Woche verfügbar ist. Für so manchen Benutzer, der wochentags die Bücherei nicht besuchen kann, ein unschätzbares Plus. Bisher sind 114 Büchereien auf den Zug aufgesprungen. 17 weitere treten in diesem Jahr LEO-SUED bzw. LEO-NORD bei. Aktuell bieten 13% der Mitgliedsbüchereien eMedien an.

LOBBYARBEIT UNERLÄSSLICH - MINDESTANFORDERUNGEN SOLLEN HELFEN

Trotz der guten Entwicklungen bleibt Büchereiarbeit nicht stehen und immer wieder muss Lobbyarbeit betrieben werden. Die Büchereileiter:innen müssen ihren Trägern eindringlich klar machen, dass sich die Büchereien in den zurückliegenden Jahrzehnten geändert haben und weiter ändern müssen.

Moderne öffentliche Büchereien sind keine verstaubten Bücherlager auf langen Regalreihen mehr, sondern - im Idealfall - attraktive Einrichtungen für Bildung, Freizeit und Unterhaltung für die ganze Bevölkerung. Sie sind kommerzfrei und niederschwellig.

Um Argumentationshilfen für Gespräche mit den örtlichen Trägern zu bieten und den Büchereien den Rücken bei Verhandlungen zu stärken, hat der Sankt Michaelsbund mit den sieben diözesanen Fachstellen sogenannte Mindestanforderungen entwickelt. Diese 15 Anforderungen für ehren- und nebenamtlich geführte Büchereien in Orten bis 2.500 bzw. zwischen 2.500 und 10.000 Einwohner haben seit dem 1.1.2018 ihre Gültigkeit. Bei der ersten Vergaberunde "2018/2019" haben ca. 29% der Büchereien, für die die Mindestanforderungen gelten, ein Siegel in Silber bzw. Gold erhalten und dies medienwirksam dokumentiert.
Vieles ist bereits in den Büchereien passiert und hat sich in den Köpfen der Verantwortlichen getan. U.a. wurden Hinweisschilder am Ort installiert, eine Bibliothekssoftware eingeführt oder ein Teamtreffen initiiert. Regelmäßiger Austausch mit den Trägern, die nun vermehrt für die Belange der Büchereiarbeit sensibilisiert sind, sorgt für mehr Aufmerksamkeit, Transparenz und Wertschätzung gegenüber der engagierten und wertvollen Arbeit der Büchereiteams, die oftmals bis dahin kaum oder zu wenig wahrgenommen wurde. Das ist erfreulich.

Der Sankt Michaelsbund ist sich aber auch durchaus bewusst, dass einige der Mindestanforderungen, z.B. die angemessene Unterbringung, gar nicht vom Büchereiteam umgesetzt werden können. Das ist eindeutig Aufgabe der Träger. Deshalb empfehlen wir, die Mindestanforderungen an diese weiterzugeben und gemeinsam mit der Pfarrei und/oder der Kommune zu diskutieren.

In diesem Jahr startet eine neue Vergaberunde "2020/2021". Büchereien, die 12 oder 13 der insgesamt 15 Punkte erfüllen, erhalten ein "Büchereisiegel in SILBER". Als besonderes Zeichen der Anerkennung bekommen Büchereien, die 14 und 15 Mindestanforderungen erfüllen, ein "Büchereisiegel in GOLD". Das Siegel hat eine Gültigkeit von zwei Jahren.

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