Neuorientierung in den 60er und 70er Jahren

Die 60er und 70er Jahre erwiesen sich als eine Zeit der grundlegenden Neuorientierung. Damals wurden die Ortsvereine des Sankt Michaelsbundes nach und nach aufgelöst und in den Landesverband Bayern e.V. überführt. Während der Landesverband die ideellen landesweiten Dienste übernahm, betätigte sich der Diözesanverband München und Freising e.V. mit seinen Medienengagegements schwerpunktmäßig auf dem Gebiet der Erzdiözese. Er ist Träger des Bistumsblattes "Münchner Kirchenzeitung". Beide Verbände haben den gleichen geschäftsführenden Direktor und arbeiten eng vernetzt zusammen.

Während der 60er Jahre wurde die "Münchner Büchereizentrale" als Dienstleistungsunternehmen für die angeschlossenen Mitgliedsbüchereien des Landesverbandes aufgebaut und ständig weiterentwickelt. Sie unterhält in der Herzog-Wilhelm-Str. 5 eine Spezialbuchhandlung für Büchereien. In diesen Räumlichkeiten, die im Sommer 2014 neu eingerichtet wurden, können die Mitgliedsbüchereien ständig zwischen 4.000 und 5.000 neue Bücher und Medien in Augenschein nehmen, die auf den Medienempfehlungen des Sankt Michaelsbundes und damit auf der Besprechungsrabeit des Verbandes basieren. Hier leistet die Büchereizentrale neben dem Buchverkauf den wichtigen Service der Buchberatung sowie der Vermittlung der fachtechnischen Dienste (Buchbearbeitung).

Ebenfalls in den 60er Jahren überschritten die katholischen öffentlichen Büchereien ganz bewußt die bisher gezogenen konfessionellen Grenzen. Zunächst wurden in Bamberg, danach in Erding und in Rosenheim Vereinbarungen mit den Kommunen über die allgemeine Literaturversorgung der Bevölkerung geschlossen. Diese Kooperationsverträge sind mittlerweile zu einem Kennzeichen der bayerischen Büchereilandschaft geworden: über 600 Gemeinde- und Stadtbüchereien im Freistaat arbeiten in gemeinsamer Trägerschaft von Kommune und Pfarrei und unter der fachlichen Betreuung durch den Sankt Michaelsbund als Fachverband. Die Öffnung hin zu den Kommunen hat den Sankt Michaelsbund verändert und seine büchereipolitische Position gestärkt.

Im Jahr 1973 erhielt der Sankt Michaelsbund, Landesverband Bayern e.V. mit seiner neuen Satzung "die Bestätigung der bayerischen Bischöfe als institutionelle Zusammenfassung und Vertretung der Bildungsarbeit in katholischer Trägerschaft auf dem Gebiet des Büchereiwesens und der damit zusammenhängenden Medien". Ebenfalls noch in den 70er Jahren wurde die Landesfachstelle des Sankt Michaelsbundes gegründet, die seither das katholische Büchereiwesen in Bayern nach außen vertritt und gemeinsam mit den Diözesanstellen in den sieben bayerischen (Erz-)Diözesen die Mitgliedseinrichtungen bei sämtlichen bibliothekarischen Fachfragen berät. Ferner unterhält der Landesverband ein eigenes Lektorat, das für die Veröffentlichung der Besprechungszeitschrift "buchprofile" verantwortlich zeichnet.

Erfreulich hat sich die Zusammenarbeit zwischen dem Sankt Michaelsbund in München und dem Borromäusverein in Bonn weiterentwickelt, der die Katholischen Öffentlichen Büchereien außerhalb Bayerns fachlich betreut. Ungeachtet ihres je eigenen Selbstverständnisses stimmen sich beide Verbände vor bibliothekarischen Grundsatzentscheidungen ab. Gemeinschaftlich haben sie auch den Ausbildungsgang zum "Kirchlichen Büchereiassistenten" (KiBüAss) entwickelt, außerdem die Unterrichtseinheiten der sogenannten "Basis-12-Kurse" als Einführung für Ehrenamtliche in die bibliothekarische Arbeit.

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