Tageszeitungen, Volksbildung, Büchereien

Ein damals weit verbreiteter Slogan des Preßvereins hieß: "Für jedes katholische Haus eine katholische Tageszeitung". Die Beteiligung an zahlreichen Zeitungsverlagen und der Ankauf von regionalen Tageszeitungen machte den Preßverein in den Augen zeitgenössischer Kritiker zu einem bewußt "politischen Verein". Der Verein selbst bestritt dies vehement. In einem Flugblatt heißt es dazu: "Der Preßverein ist kein politischer Verein. Er betrachtet die Politik lediglich vom Standpunkte der Religion, der Sittlichkeit, der allgemeinen Bildung und Weltanschauung... Seine Devise heißt: Hebung der Volksbildung auf christlicher Grundlage durch Schrift und Wort."

Im Juli 1910 übernahm der Ortsverein München das von den Münchner Stadtpfarrern gegründete, am 05.01.1908 erstmals erschienene "Wochenblatt für die Katholischen Pfarrgemeinden Münchens". Mit Zustimmung von Michael Kardinal Faulhaber trug dieses Wochenblatt ab der ersten Nummer des Jahres 1919 den Titel "Münchner Katholische Kirchenzeitung" und ist damit Vorläufer des heutigen Bistumsblattes, der "Münchner Kirchenzeitung".

Vor dem Ersten Weltkrieg und dann in den 1920er Jahren wurden zahlreiche Ortsvereine gegründet, die sich auch für die Verbreitung katholischer Literatur einsetzten und Volksbibliotheken errichteten. Der Sankt Michaelsbund als Nachfolgeverband des katholischen Preßvereins darf sich daher zu Recht als "ältester bayerischer Büchereiverband" bezeichnen.

Zu Hochzeiten war der Preßverein an 12 bayerischen Verlagen mit 22 Zeitungen finanziell mehr oder weniger hoch beteiligt. 7 Anwesen und Druckereien mit 9 Zeitungen waren sein Alleineigentum. Dem Preßverein Stadt München gehörten die Zeitungen "Bayerischer Kurier", "Neues Münchener Tagblatt" und "Münchener Katholische Kirchenzeitung" mit 4 Nebenausgaben, dazu die Zeitungen und Druckereien in Landau an der Isar, Pfaffenhofen an der Ilm und Traunstein (mit Kopfblatt in Freilassing).

Ähnlich großen Erfolg wie die Zeitungspolitik hatte auch das volksbildnerische Engagement des Preßvereins. Im Jahr 1930 registrierte der Verein mehr als 1.000 Büchereien mit über 840.000 Bänden und mehr als 1,3 Mio. Ausleihen. In der Statistik des Jahres 1931 verwies der Preßverein stolz auf insgesamt 2.045 Veranstaltungen, darunter 578 Lichtbildervorträge und 68 Theateraufführungen, Konzerte und Oratorien.

"Alle Einrichtungen des Preßvereins sind für die Allgemeinheit, nicht bloß für die Mitglieder da." Diesen Grundsatz hatte schon der Gründer des Preßvereins, der Eichstätter Generalvikar Dr. Georg Triller, formuliert. Entsprechend wandte sich der Verband mit seinen Aktivitäten "an die gesamte Bevölkerung, ohne Unterschied der Konfession und der Parteistellung ".

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